11.10.2017   Alter: 8 days

Kommentar zur neuen EBM Ziffer 01949:

„Substitutionsgestützte Behandlung Opiatabhängiger nach den Richtlinien des Gemeinsamen Bundesausschusses im Rahmen einer Take-Home-Vergabe, gemäß § 5 Abs. 9 Betäubungsmittelverschreibungsverordnung (BtmVV) je Behandlungstag 69 Punkte“


Es ist zu begrüßen, dass der Bewertungsausschuss nun erstmals anerkennt, dass die take-home Vergabe eine ärztliche Leistung darstellt. Ausdrücklicher Leistungsinhalt der neuen Gebührenordnungsposition ist die „Prüfung der Voraussetzungen für die Behandlung im Rahmen der Take-Home-Vergabe….“. Bisher wurde die Honorierung als „Nichtleistung“ abgelehnt. Regionale KV`en haben dies auch früher bereits anders beurteilt und – wie die KV Hessen und Westfalen-Lippe – mit der regionalen Einführung der Zi. 91950  bzw. 01950A entsprechend reagiert.

Die neue Gebührenordnungsposition fällt leider mit 7,27 € (bei einem Punktwert von 10,53) hinter die bereits bestehenden Sonderregelungen der KV Hessen und Westfalen-Lippe zurück.

Die neue Ziffer kann 2x/ Woche angesetzt werden, dies könnte dazu führen, dass das bisherige „Wochen-Take-Home“ gesplittet wird – ein Effekt, der inhaltlich unerwünscht ist. Am Behandlungstag ist die Abrechnung der Nr. 01949 neben der Nr. 01950 ausgeschlossen, eine Abrechnung der Nr. 01949 in der Behandlungswoche neben der Nr. 01950 ist nur mit medizinischer Begründung möglich. Welcher Art diese medizinische Begründung sein könnte, bleibt derzeit im Dunkeln, die DGS wird eine Klärung mit der KBV anstreben. Die Gesprächsziffer nach 01952 ist mit der Zi. 01949 kombinierbar.

Die neue Gebührenordnungsposition ist durch die Ausschlüsse mit der Zi. 01950 bei Patienten mit „Wochenend oder 3-4 Tage Take home“ sinnvollerweise nicht anzusetzen, es bleibt bei dem unbefriedigenden Zustand, dass die Prüfung der „Take-Home-Fähigkeit“ hier nicht honoriert wird, inhaltlich ist dies nicht nachvollziehbar, die Leistung ist dieselbe, ob es sich nun um 3 Tage- oder Wochen-Take- Home handelt. 

Die Prüfzeit für die Leistung nach Zi. 01949 beträgt sieben Minuten im Tages- und Quartalsprofil, besonders Schwerpunktpraxen müssen dies in Betracht ziehen, um nicht das Tageszeitprofil zu  überschreiten und dadurch Leistungskürzungen in Kauf nehmen zu müssen

Interessant wird die neue GPO im Zusammenhang mit der Reform des BtmG, wodurch in definierten und begründeten Ausnahmefällen Take-Home bis zu 30 Tagen möglich wird. Da diese Patienten dann evtl. nur 3 x/ Quartal die Praxis aufsuchen müssten, werden die Umsatzverluste durch die GPO 01949 abgemildert aber natürlich bei weitem nicht ausgeglichen, zumal die Prüfung bei zeitlich längerem take-home aufwändiger sein wird.

Insgesamt ist zu begrüßen, dass die Prüfung der Voraussetzungen zur Take-Home Vergabe nunmehr als ärztliche Leistung anerkannt wird, die Vergütung hierfür bleibt aber insgesamt besonders durch die Abrechnungsausschlüsse sehr bescheiden und wird dem Aufwand und der Verantwortung für diese Leistung nicht gerecht. Hier besteht aus Sicht der DGS Nachbesserungsbedarf. Einige unklare Fragen bedürfen der Klärung:

  1. Werden die Sonderregelungen in einigen KV Bezirken durch den Beschluss des Bewertungsausschusses tangiert?
  2. Welche medizinischen Begründungen sind denkbar für die Berechnung der Zi. 01949 neben der Zi. 01950 in der Behandlungswoche?
  3. Welche Auswirkung wird die Prüfzeit von 7 Minuten bei Ansatz der Zi. 01490 besonders für Schwerpunktpraxen haben?

Zwei weitere Neuerungen des EBM für die Substitution müssen noch erwähnt werden:

Neueinführung

der Ziffer 01960:

Konsiliarische Untersuchung und Beratung eines Patienten im Rahmen des Konsiliariusverfahrens gemäß § 5 Abs. 4 Betäubungsmittelverschreibungsverordnung (BtMVV)  

Obligater Leistungsinhalt

  • Persönlicher Arzt-Patienten-Kontakt,
 
  • Dauer mindestens 10 Minuten, einmal im Behandlungsfall
 

 

 

90

(9,48 Euro)

Damit soll der Erweiterung der Konsiliarregelung im BtmG Rechnung getragen werden. Ob die Vergütung von 9,48 € diese Regelung attraktiver macht und ob damit Versorgungsengpässe besonders in ländlichen Regionen beseitigt werden können, bleibt abzuwarten, darf aber mit einigem Grund bezweifelt werden, denn eine dreimonatige Therapie zu prüfen ist aufwendig und mit 90 Punkten nicht annährend leistungsgerecht vergütet.

Die Vereinfachung der Substitution in Pflegeheimen oder bei Pflegebedürftigen hat auch ihren Niederschlag im EBM gefunden:

Ab 01.10.2017 kann eine Substitutionsbehandlung auch im Rahmen von Hausbesuchen erfolgen, auch wenn der Hausbesuch nur für die Substitutionsbehandlung erfolgt. Voraussetzung hierfür ist, dass eine chronische Pflegebedürftigkeit (Vorliegen eines Pflegegrades) vorliegt, die eine Substitutionsbehandlung in der Arztpraxis nicht ermöglicht. Die Anmerkungen zur Nr. 01950 wurden entsprechend angepasst.

Diese Neuregelung ist zu begrüßen, es sei aber darauf verwiesen, dass die Bestimmungen im BtmG zur Substitution in Pflegeheimen – besonders die verlangten Vereinbarungen mit den Einrichtungen – noch ausgestaltet werden müssen, die DGS ist mit den Verbänden der Alten- und häuslichen Krankenpflege in Kontakt, um hier ein realistisches Vorgehen zu vereinbaren.

Die Neuerungen sind zum 01.10.2017 in Kraft getreten.

 

Dr. Konrad Isernhagen für den Vorstand der DGS