29.06.2009   Alter: 8 yrs

Offener Brief an die Partner der Substitutionsbehandlung Opiatabhängiger in Niedersachsen


In Niedersachsen unterziehen sich derzeit ca. 5800 opiatabhängige Patienten einer Substitutionstherapie. Die Kosten der Therapie tragen laut Beschluss des gemeinsamen Bundesausschusses die Krankenkassen, sofern festgelegte Eckpunkte eingehalten werden. Besondere Anforderungen werden dabei an die qualitativ hochwertige Versorgung der Patienten gestellt. Die aktuelle Studie des DIMDI belegt die Wirtschaftlichkeit und die Effizienz dieser Behandlung. Insbesondere der Erfolg einer langfristigen Behandlung konnte hier noch einmal eindrucksvoll belegt und somit zum „Goldstandard“ erklärt werden. Dies erklären auch alle Drogenexperten der im Bundestag vertretenen Parteien.

Auch in Niedersachsen hat sich die Substitutionsbehandlung Opiatabhängiger als Therapie hervorragend bewährt. Ganz offensichtlich leistet der absolut überwiegende Teil der Suchtmediziner trotz extrem schwieriger Patienten und schwieriger Rahmenbedingungen eine gute Arbeit.

Seit dem Sommer 2006 hat sich allerdings die Situation verändert. Wegen des Fehlverhaltens einiger weniger Ärzte scheint jetzt quasi ein „Generalverdacht“ gegen alle substituierenden Ärzte zu bestehen. AOK und KVN gehen mit flächendeckenden Prüfungen gegen alle substituierende Kolleginnen und Kollegen vor. Im Ergebnis steigen noch mehr Ärzte als bisher aus der Substitutionsbehandlung aus. Die bereits jetzt schon lückenhafte Versorgung wird damit noch schwieriger und ist schon jetzt nicht mehr flächendeckend sicherzustellen. Der Versorgungsauftrag der KV wird massiv gefährdet und immer mehr Patienten können überhaupt nicht oder nicht mehr fachgerecht versorgt werden. In einem Flächenland wie Niedersachsen ist dies ohnehin besonders schwierig.

Natürlich ist es im Sinne aller gegen „schwarze Schafe“ vorzugehen. Eine qualitativ hochwertige Behandlung braucht zu ihrem Erfolg (und natürlich erst Recht zu ihrer Wirtschaftlichkeit) verlässliche Partner und Rahmenbedingungen. Durch einen massiven zusätzlichen Kostendruck zum einen und durch ein rigides Vorgehen der „Task Force“ der AOK zum anderen bewirkt die AOK erhebliche Verunsicherung bei den verbliebenen Substitutionsärzten und Apothekern, welche die zukünftige Versorgung opiatabhängiger Patienten zusätzlich zu verschlechtern droht.

Darüber hinaus wurde auch der Einsatz EDV-gestützter automatisierter Dokumentations- und Dosiersysteme in Niedersachsen durch das Eingreifen der Task Force blockiert. Und dies obwohl hier ein bewährtes Werkzeug zur Qualitätssicherung, Kontrolle des Betäubungsmittelverkehrs und zur Kostenersparnis für die Krankenkassen vorhanden wäre. Durch den Effizienzgewinn finanzieren sich solche Systeme quasi von selbst.

Es drängt sich der Verdacht auf, dass es durch den aktuell massiv gesteigerten Druck auf die Ärzte nicht mehr vornehmlich um die Beseitigung von Missständen, sondern um die gezielte Behinderung der Substitutionstherapie Opiatabhängiger geht. Bereits jetzt ist ein erheblicher Schaden für die flächendeckende Versorgung der Patienten entstanden.

Die Deutsche Gesellschaft für Suchtmedizin DGS als größte ärztliche suchtmedizinische Fachgesellschaft setzt sich besonders für die Belange substituierender Ärztinnen und Ärzte und substituierter Patientinnen und Patienten ein. Der Vorstand der DGS fordert deshalb die KV und die AOK in Niedersachsen nachdrücklich auf, umgehend mit den substituierenden Ärztinnen und Ärzten zu einer Lösung zurück zukehren, die die flächendeckende Behandlung substituierter opiatabhängiger Patientinnen und Patienten qualitativ hochwertig und vernünftig finanziert wieder sicher stellt.