Substitution in Haft
In Deutschland sind zur Zeit ca. 80 tausend Menschen inhaftiert.
Davon sind 25-30% abhängig von illegalen Drogen wie Heroin. Die richtige Behandlung der Heroin Suchterkrankung ist die Substitution mit Methadon, Buprenorphin sowie Diamorphin. Diese Behandlung wird jedoch der Mehrzahl der Inhaftierten verweigert und bei substituierten Patienten/innen, die inhaftiert werden, abgebrochen. Das hat zur Folge, dass risikoreicher Konsum mit der Gefahr der HIV oder Hepatitis Infektion stattfindet. Die Kosten der Behandlung dieser Erkrankungen belaufen sich auf 1000-3000€ pro Monat, die spätestens nach der Entlassung die Gesellschaft bezahlen muss.
Mit einer rechtzeitigen Substitutionsbehandlung in unseren deutschen Justizvollzugsanstalten kann viel Geld gespart werden. Länder wie Österreich, Spanien und die sparsame Schweiz haben dies längst umgesetzt, dort ist sogar eine Diamorphinbehandlung in den Haftanstalten möglich.
Angela Merkel hat die europäische Richtlinie - Dubliner Erklärung - schon vor 5 Jahren unterzeichnet, die eine gleiche Behandlung innerhalb und außerhalb der Mauern festlegt. Am 01.01.2011 sollte diese Umsetzung vollzogen sein. Die Wirklichkeit ist davon weit entfernt. Nur 5% aller männlichen Strafgefangenen werden substituiert, teilweise bis zu 30% aller weiblichen Strafgefangenen. Dies ist aber in jeder Haftanstalt unterschiedlich und in das Belieben des Anstaltsarztes gestellt.
Dies steht in klarem Gegensatz zu den aktuellen Richtlinien der Bundesärztekammer (2010), die die Substitution als adäquate Therapie voll anerkennt und eine Kontinuität der Behandlung einfordert, gleich in welcher Umgebung sich der Patient befindet (Haft, Krankenhaus, Therapie).
In wenigen Bundesländern wie Hamburg, Bremen und im Ansatz NRW wird in zunehmendem Maße mit Methadon/ Buprenorphin behandelt, aber z.B. in Bayern und ostdeutschen Bundesländern so gut wie gar nicht. Diese Ungleichbehandlung von Kranken, die in der Obhut des Staates stehen, ist verantwortungslos und diskriminierend. So wird auch das Ziel der Resozialisierung unmöglich gemacht.
Die DGS zusammen mit akzept (Bundesverband für akzeptierende Drogenarbeit und humane Drogenpolitik), der Deutschen AIDS- Hilfe, dem Bundesverband der Eltern und Angehörigen für akzeptierende Drogenarbeit und dem JES Bundesverband (Junkies, Ehemalige und Substituierte) setzt sich nachdrücklich dafür ein, eine flächendeckende und ausreichende Behandlung Heroin Suchtkranker im Strafvollzug anzubieten und durchzuführen. Dies dient der Gesundheit der Strafgefangenen und verhindert Kosten im Gesundheitswesen.