dgs-info, Warnung vor kontaminiertem Marihuana

Internetgestützter Rundbrief der DGS – Deutsche Gesellschaft für Suchtmedizin, erscheint am 8.11.2007

Online zu lesen unter: www.dgsuchtmedizin.de/aktuelles/newsletter/one.newsletter/index.html

 
Liebe Leserinnen und Leser,

aus aktuellem Anlass schicken wir Ihnen eine Extraausgabe von dgs-info zu.

Seit August sind im Raum Leipzig Raum Leipzig 19 Fälle akuter Bleivergiftungen bekannt geworden, die auf vergiftetes Marihuana zurückgeführt werden. Blei wird Gras aus Gewächshäusern („Skunk“) zugesetzt, um das Verkaufsgewicht zu steigern. Beim Rauchen der gestreckten Ware kann es zu tödlichen Vergiftungen kommen.

Bereits vor einigen Jahren waren in Holland, Frankreich und Großbritannien Skunkproben aufgetaucht, die mikroskopisch kleine Glaspartikel aufwiesen. Die Splitter sollen das Glitzern des THC-Harzes vortäuschen und können langfristig schwere Schäden der Atemwege nach sich ziehen.

In den 70er Jahren waren es Henna, Pfeffer, Mehl, Schuhcreme und andere Substanzen, mit denen Haschisch gestreckt wurde.

Blei ist die vorerst gefährlichste Beimengung. Der Schwarzmarkt kennt keine Tabus. Den Preis der Prohibition zahlen die Konsumenten – in mehrfacher Hinsicht.

Bitte senden Sie diese Extraausgabe weiter an Ihre Kinder und deren Freunde, Kolleginnen und Kollegen, Beratungsstellen, Notfallabteilungen in Kliniken und andere Interessierte.

Mit freundlichen und kollegialen Grüßen

Redaktion dgs-info

 
Marihuana mit Blei in Leipzig im Umlauf - Erste Erkrankungen

Leipzig. Mit Blei versetztes Marihuana ist in Leipzig und Umgebung im Umlauf. Dies hat die Analyse erster Proben durch das Bundeskriminalamt (BKA) ergeben, teilte die Leipziger Polizei am Mittwoch mit. Bislang sind den Ermittlern 19 Fälle bekannt, bei denen Konsumenten zum Teil schwerste Bleivergiftungen erlitten. Bei den Betroffenen seien Bleiwerte im Blut festgestellt worden, die weit über den Grenzwerten lägen. Die Staatsanwaltschaft Leipzig ermittelt wegen gefährlicher Körperverletzung gegen Unbekannt, in einem Fall sogar wegen versuchten Mordes. (Leipziger Volksstimme, 7.11.07)

http://www.lvz-online.de/aktuell/content/46033.html

 
Die Stadt Leipzig und die Polizeidirektion Leipzig informieren: Warnung vor kontaminiertem Marihuana (Mittwoch, 7.11.2007)

Aus aktuellem Anlass warnen die Stadt Leipzig und die Polizeidirektion Leipzig vor bleiverseuchtem Cannabis und Marihuana, das seit einiger Zeit im Leipziger Raum im Umlauf ist. In den vergangenen Wochen mussten bislang 19 bekannte Fälle aus Leipzig und dem Leipziger Umland mit Bleivergiftungen akutmedizinisch behandelt werden.

Bei den ersten Patienten war die Bleiquelle anfangs unklar. Inzwischen zeichnet sich ein direkter Zusammenhang mit Cannabis- bzw. Marihuanakonsum ab. Es ist davon auszugehen, dass weitere Personen kontaminiertes Marihuana oder Cannabis zu sich genommen haben und dass sich immer noch mit Blei versetzter „Stoff“ im Umlauf befindet.

Empfehlungen:

Bei Verdacht auf eine chronische Bleiexposition sollte der Bleispiegel im Blut gemessen und ggf. eine entsprechende Therapie begonnen werden. Diese wird bei schweren Fällen im Krankenhaus begonnen und muss je nach Körperbleigehalt von Hausärzten langfristig, in Einzelfällen auch über Jahre, fortgeführt werden.

Betroffenen (auch so genannten „Wochenendkonsumenten“) wird geraten, sich zu einer Überprüfung ihres Bleispiegels an das Gesundheitsamt wenden. Diese Empfehlung gilt auch dann, wenn Konsumenten derzeit beschwerdefrei sind. Das Gesundheitsamt erhebt dafür eine Gebühr in Höhe von 22 Euro. Blutentnahmen zur Bestimmung des Bleispiegels sind zu folgenden Zeiten im Gesundheitsamt, Gustav-Mahler-Straße 1 – 3 in der Impf- und Untersuchungsstelle (2. Etage, Zi. 204) möglich:

Montag bis Freitag von 9 bis 11 Uhr und
Dienstag und Donnerstag von 14 bis 17 Uhr.

Nach Vorliegen des Ergebnisses wird der Patient beraten, ob eine Behandlung notwendig ist.

Bei unklaren Beschwerden, insbesondere akute Bauchschmerzen, sollten Konsumenten ihren Arzt oder den Notarzt in jedem Fall informieren, dass sie Marihuana oder Cannabis konsumiert haben.

Für Nachfragen schaltet das Gesundheitsamt ab Donnerstag, dem 8. November 2007 für die kommenden 14 Tage unter der Telefonnummer 123-6969 eine Hotline, die Montag bis Freitag von 10 bis 15 Uhr besetzt ist.

In allen Fällen wird die ärztliche Schweigepflicht gewahrt.

Die Polizeidirektion Leipzig ist zur Aufklärung der Sachlage auf die Mitwirkung der Patienten angewiesen. Insoweit wird Betroffenen geraten, freiwillig Angaben gegenüber der Polizei oder Staatsanwaltschaft zu machen, um eine lückenlose Aufklärung zu ermöglichen und weitere Schäden von Dritten abzuwenden.

Anzeichen einer Bleivergiftung

Bei Bleivergiftungen im Zusammenhang mit Marihuana-Konsum wird das Blei über die Atemwege aufgenommen. Im Körper wird es im Prinzip in allen Geweben abgelagert. Der Knochen ist Hauptspeicher für Blei. Von hier wird das Blei noch über Jahrzehnte ins Blut und in die Weichteile freigesetzt. Da Blei nicht gut wasserlöslich ist, wird es ohne spezielle Medikamente sehr schlecht wieder ausgeschieden. Es wird zwischen akuten und chronischen Bleivergiftungen unterschieden, die durch folgende Krankheitsbilder gekennzeichnet sind:

akute Bleiintoxikation: Blasse Hautfarbe, Magen-Darm-Beschwerden, schwere Bauchkrämpfe („Bleikolik“), langsamer Puls, hoher Blutdruck

chronische Bleivergiftung (nach steigender Blutbleikonzentration): Blutarmut (Bleianämie), Hirnschädigung („Bleidemenz“), Nervenschädigung, Zittern/Tremor, Muskelschwäche, Bleisaum am Zahnfleischrand, Nierenschädigung und bei sehr hohen Konzentrationen die gefürchtete Bleienzephalopathie mit Koma. In Extremfällen treten Todesfälle auf.

Ansprechpartner: Frau Lein, Gesundheitsamt, Drogenreferat/
Suchtprävention, Tel. 0341 1236761
(msc/Stadt Leipzig)

http://leipzig-seiten.de/index.php?option=com_content&task=view&id=931&Itemid=51

 
VERSCHIEDENE MELDUNGEN ZUM THEMA GESTRECKTES MARIHUANA

UK: Contaminated Cannabis: New gritweed Alert! Feb 02. (YouTube, Video)

http://www.youtube.com/watch?v=FTthuJUDdoM

Gestrecktes Gras - vom Naturprodukt zum Chemiecocktail. Eine Zusammenstellung des Deutschen Hanf Verbandes (DHV, 17.1.07)

http://www.hanfverband.de/themen/gestrecktes_gras.html

Wer hat in der letzten Zeit nicht von gestrecktem Gras gehört. Viele sind sogar beim Einkaufen auf Brix und Co herein gefallen. Durch den Chemiecocktail, den uns skrupellose Geschäftemacher zumuten, wird aus relativ unschädlichem Kraut schnell eine echte Gefahr für Leib und Leben. (DHV-Protstmailer, 17.1.07)

http://www.hanfverband.de/protestmailer/mitmachen_10.html

Was im Gras drin ist. Vorsicht beim Marihuana-Kauf: Weil die Ware knapp ist, strecken Dealer den Stoff mit Sand, Plastik und Haarspray. (Die Tageszeitung, 26.4.07)

http://www.taz.de/dx/2007/04/26/a0189.1/text.ges,1

Cannabis: Jetzt kommt auch Schuhcreme in die Tüte. Seit kurzem wird Cannabis unter anderem mit Schuhcreme, Plastik und Sand gestreckt. Nun entbrennt erneut die Diskussion um die Legalisierung von Marihuana. (Focus online, 13.5.07)

http://www.focus.de/politik/deutschland/gesundheitspolitik/tid-5705/cannabis_aid_55876.html

Großbritannien. Department of Health. UPDATE ON SEIZURES OF CANNABIS CONTAMINATED WITH GLASS PARTICLES (17 May 2007)

http://www.info.doh.gov.uk/doh/embroadcast.nsf/vwDiscussionAll/B62F8B2DD75DEA08802572DE0036E4FF

Wales. ITV Wales - Wales This Week - Contaminated Cannabis - Part 1. (YouTube, Video, 5’55“, May 2007)

http://www.youtube.com/watch?v=k8QNeU-B3Kk

Wales. ITV Wales - Wales This Week - Contaminated Cannabis - Part 2. (YouTube, Video, 9’21“, May 2007)

http://www.youtube.com/watch?v=k8QNeU-B3Kk

Großbritannien. Contamination of herbal or ’skunk-type’ cannabis with glass beads. You can never tell what’s in a drug just by looking at it. It’s always risky – and sometimes this risk can have a very dangerous outcome. That’s why we’ve highlighted this recent Department of Health Warning for you to read. We feel it’s important you know all the facts. (Talk to Frank, ohne Datum)

http://www.talktofrank.com/article.aspx?id=881

Aufklärungsmaßnahmen zu gesundheitlichen Risiken durch verunreinigte Cannabisprodukte
Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Dr. Harald Terpe, Birgitt Bender, Elisabeth Scharfenberg, weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Drucksache 16/5513 –
Deutscher Bundestag Drucksache 16/5583 16. Wahlperiode 12. 06. 2007

Bundesregierung ignoriert verseuchtes Cannabis. Die Bundesregierung hat offiziell klar gestellt, dass sie sich nicht mit gefährlichen Streckmitteln in Marihuana befassen will. Stattdessen empfiehlt sie den Cannabiskonsumenten Abstinenz. In einer Kleinen Anfrage hatte die Fraktion Bündnis 90/ Die Grünen darauf aufmerksam gemacht, dass Deutschland von gestrecktem Marihuana überschwemmt wird. (Deutscher Hanfverband, Pressemitteilung vom 22.6.07)

http://hanfverband.de/aktuell/meldung_1182496450.html

Italien. Erstmals „tödliches“ Marihuana beschlagnahmt. Die Finanzwache von Bozen hat am vergangenen Wochenende am Brenner 219 Kilogramm an gestrecktem Marihuana beschlagnahmt, das für den italienischen Markt bestimmt war. (Südtirol online, 6.8.07)

http://www.dolomiten.it/nachrichten/artikel.asp?ArtID=97794&p=1&KatID=da

Mehr als 200 Kilo Marihuana mit Glassplittern beschlagnahmt. (DHV, 8.8.07)

http://hanfverband.de/aktuell/meldung_1186588244.html

Im Spätsommer 2007 hatte der DHV erneut vor gestrecktem, potentiell giftigem Marihuana gewarnt. (Pressemitteilung vom 28.9.07)

http://hanfverband.de/aktuell/meldung_1190985961.html

Der DHV bezog sich mit seiner Kritik auf eine Stellungnahme der Bundesdrogenbeauftragten.

http://www.bmg.bund.de/nn_604826/DE/T [...] nd-Sucht/Cannabis/risiken-des-cannabiskonsums.html

Blutvergiftungen durch gestrecktes Cannabis in Leipzig - Bundesdrogenbeauftragte Bätzing trägt Mitschuld. (Pressemitteilung des DHV – Deutscher Hanfverbandvom 7.11.07)

http://openpr.de/news/169456/Blutverg [...] esdrogenbeauftragte-Baetzing-traegt-Mitschuld.html

eve-rave.net Berlin: Warnung vor kontaminiertem Marihuana.
Blei im Gras! Aus aktuellem Anlass warnen die Stadt Leipzig und die Polizeidirektion Leipzig vor bleiverseuchtem Cannabis und Marihuana, das seit einiger Zeit im Leipziger Raum im Umlauf ist. In den vergangenen Wochen mussten bislang 19 bekannte Fälle aus Leipzig und dem Leipziger Umland mit Bleivergiftungen akutmedizinisch behandelt werden. Es muss davon ausgegangen werden, dass auch in anderen Regionen bleiverseuchtes Cannabiskraut im Umlauf ist! (Redaktion Webteam www.eve-rave.net Berlin
Pressemitteilung vom 7. November 2007)

http://www.eve-rave.net/abfahrer/presse/presse07-11-07.html

Druckerfreundliche Version (PDF-Format, 111 KB, 4 Seiten):

http://www.eve-rave.net/abfahrer/presse/presse07-11-07.pdf


dgs-info wird herausgegeben vom Vorstand der DGS – Deutsche Gesellschaft für Suchtmedizin und erscheint alle zwei Monate. Der Bezug ist kostenlos.

Verbreitete Auflage (8.11.2007): 2144 Abonnements.

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Verantwortlicher Redakteur: Hans-Günter Meyer-Thompson (Hamburg). Informationen zu dieser Ausgabe lieferten Mathias Häde (JES-Bielefeld), Georg Wurth (Berlin, DHV), Redaktion Webteam Eve & Rave e.V. Berlin.

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