dgs-info, Internetgestützter Rundbrief der DGS – Deutsche Gesellschaft für Suchtmedizin/Ausgabe 2, Juli/August 2005

Liebe Leserinnen und Leser,
es ist alles im Netz – man muss es nur finden. Und manchmal verschwinden auch die eben noch frei zugänglichen Texte, so geschehen in der Mai-Juni-Ausgabe mit zwei Hinweisen auf Veröffentlichungen in Lancet und JAMA. Pardon! Der Strom an neuen Abonnements zeigt aber, dass die Auswahl nicht gar so schlecht sein kann.

Mit dieser Ausgabe beginnen wir eine Kooperation mit ARCHIDO, dem größten deutschsprachigen Archiv von Texten zu Suchtproblemen. Den Auftakt bildet der Schwerpunkt „Haft und Gesundheitsversorgung“.

Von der Gesundheitsfürsorge zur Gesundheitsförderung in Haft, Heino Stöver, BISDRO Universität Bremen 2005
Infektionsgefahren (HIV/AIDS und Hepatitis) im Strafvollzug - warum werden wirksame Prophylaxe-Strategien nicht angewendet?, Heino Stöver, BISDRO Universität Bremen 2004
Substitutionsbehandlung in europäischen Gefängnissen, Heino Stöver, Laetitia Hennebel, Joris Casselman, BISDRO Universität Bremen

http://www.archido.de/ -> elektronische Publikationen -> Thema: Drogen, Gesundheitsförderung und Strafvollzug

ARCHIDO hat seine Datenbank mit mittlerweile 80.000 Titeln restrukturiert (einschließlich Videographie).
Außerdem auf der ARCHIDO-homepage zu finden:
Eine Vorschau auf das Buch "20 Jahre Substitutionsbehandlung - Zwischenbilanz und Aufgabenstellung für die Zukunft" (Hrsg. Ralf Gerlach/Heino Stöver) bei Lambertus/Freiburg.
Konferenzreader erstellt "Von 'Trunkenbolden und anderen Männern im Rausch. Sucht und Männlichkeiten in Theorie und Praxis' (erhältlich für 8 Euro im ARCHIDO).

Einer der bekanntesten Vertreter der „Bremer Schule“ ist Professor Stephan Quensel. Zum 65.Geburtstag des Vordenkers einer pragmatischen Drogenpolitik in Deutschland haben Weggefährten, Freunde und Kollegen die Festschrift „Gedankengefängnisse aufbrechen“ herausgegeben - ein liebevoll gemachtes Lesevergnügen.

 
Service

Anträge auf Fahrtkostenerstattung für Substitutionspatienten können bei den Krankenkassen gestellt werden, die Richtlinien geben das her. Allerdings werden Anträge von den Krankenkassen eher ablehnend beschieden. Das Sozialgericht Kassel (AZ.: S12 KR 1065/04) hat allerdings 2004 die hessische AOK verurteilt, einer Substitutionspatientin die Fahrtkosten zur Behandlung zu erstatten:

Reha-Qualitätssicherungsprogramm der gesetzlichen Rentenversicherung Peer Review Checkliste, Manual und Therapieziel-Katalog - Indikationsbereiche Psychische Erkrankungen und Abhängigkeitserkrankungen (pdf-Datei):

“Vermittlungshemmnis SUCHT“ trägt wichtige Informationen
für Fallmanager/Innen zum Thema Sucht zusammen. Die
BAG der Landesstellen gegen die Suchtgefahren (bagls) und der Deutschen Hauptsstelle für Suchtfragen (DHS) bieten die gemeinsam erstellte Broschüre unter www.dhs.de (“Vermittlungshemmnis Sucht“) zum Download an.

 
Recht und Gesetz

Bundesopiumstelle und Datenschutz - 108. Deutscher Ärztetag beschließt Resolution zur Einhaltung des Datenschutzes bzgl. Substitutionsregister:

 
EBM 2000plus

Die ersten Fragen sind eingegangen, beantwortet vom Kollegen Konrad Cimander aus Hannover:

Sollten Sie nach der ersten Abrechnung nach dem neuen EBM weitere Fragen haben, so richten Sie diese an die Redaktion, wir werden Sie weiterleiten und mit den Antworten unter der o.g. Adresse veröffentlichen.
Wer noch Schwierigkeiten mit den neuen EBM-Ziffern hat, auch in Hinsicht auf die bevorstehende Quartalsabrechnung, findet unter http://ebm.doccheck.com/ ein praktisches Auskunftssystem.

 
harm reduction

WHO-Studie „Effectiveness of Sterile Needle and Syringe Programming in Reducing HIV/AIDS among Injecting Drug Users“Studie (englisch, pdf, 61S., 342kb):

IHRA – International Harm Reduction Association: The IHRA E-Newsletter is now available in English, Spanish, Portuguese and Russian:

Die aktuellen Veröffentlichungen der WHO zu HIV / AIDS und intravenöser Drogenmissbrauch, verlinkt auf der OpiateAddictionRX- und IHRA-homepage:

Asia: In Major Shift, China to Promote Needle Exchange. Die VR China eröffnet den „Volkskrieg gegen Drogen“:

 
Begleitkrankheiten

WHO and EMCDDA (European Monitoring Centre for Drugs and Drug-Addiction, Lissabon) vereinbaren Konsensusrichtlinien für die Behandlung von Drogenkonsumenten mit HIV / AIDS und Hepatitis C (News Release No 5):

Zertifizierte Online-Fortbildung und Online-Vorträge zum Thema "Hepatitis C - die stille Seuche":

Depression as Co-Pilot: Clinical Implications of Hepatitis C and Interferon/Ribavirin Treatment. James A. Bourgeois, M.D., O.D., Lorenzo Rossaro, M.D., Robert D. Canning, Ph.D. Psychiatric Times April Bonus Edition 2005 Vol. XXII Issue 5:

Hepatitis-C-Virus im Labor gezüchtet
Das HCV-Virus zu züchten, ist zwei internationalen Forschergruppen in Tokio und New York gelungen: ein Meilenstein bei der Entwicklung von Impfstoffen und neuen Medikamenten?

HIV Management 2005: The New York Course. Power-Point-Präsentationen und Audio-Vorträge online:

 
Medizinisches Cannabis

Forschung 1: Für die Teilnahme an einer klinischen Studie mit einem
Cannabisextrakt bei Morbus Crohn an der Universität München
werden noch Teilnehmer gesucht (-> Therapiestudien).

Anwendungsgebiete und Verordnungsmöglichkeiten für THC und Cannabis erläutert eine Publikation der ACM – Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin (ACM-Magazin 2005, pdf-Datei):

Forschung 2: Internationales Konsortium untersucht die
Wirksamkeit von Cannabis bei Migräne und Rheuma

Die Europäische Union stellt einem internationalen Konsortium
für ein Forschungsprojekt zur Wirksamkeit von Cannabis bei
Migräne und rheumatischer Arthritis 1,5 Millionen Euro zur Verfügung.
Beteiligt sind Forschungslabore von Universitäten und kleine
mittelständische Firmen aus sieben europäischen Staaten. Koordinator des Projektes ist Professor Dr. Michael Heinrich von der London
School of Pharmacy.
Insgesamt sollen drei Cannabissorten auf ihre Wirksamkeit untersucht werden. Es sollen innerhalb von zwei Jahren Cannabisextrakte entwickelt werden, die auch anderen Forschern für klinische Studien zur Verfügung gestellt werden sollen. (Quelle: IACM-Informationen vom 25.6.05)

Das Programm der 3. IACM - Conference on Cannabinoids in
Medicine in Leiden / NL, 9-10 September 2005

 
Substitution

The DASIS Report: Older Adults in Substance Abuse Treatment 1995-2002 trends . US Department of Health and Human Services – Substance Abuse and Mental Health Services Administration (SAMHSA):

Weitere Veröffentlichungen zu den Stichworten aging und maintenance treatment:

Buprenorphin
Buprenorphine Diversion and Injecting an Emerging Issue? Addiction, 100 197-205, 2005:

"To crush or not to crush" - buprenorphine tablet administration. Was für Vor- und Nachteile hat es, Subutex-Tabletten zu mörsern, um eine korrekte Einnahme zu gewährleisten? Anmerkungen von A.Byrne (Australien):

Diamorphin
Der Suchtbeauftragte der Bundesärztekammer, Ingo Flenker, geht davon aus, dass “zwischen 4 000 und 6 000 Betroffene“ für eine staatliche Heroinbehandlung infrage kämen, wenn Heroin als Fertigarzneimittel zugelassen würde:

Infoset direct, ein Schweizer Dienst, hat die wichtigsten Veröffentlichungen aus dem Nachbarland zur Substitution mit der Originalsubstanz zusammengestellt, u.a. ein Handbuch für die Behandlung zum Herunterladen:

Die kontrollierte Abgabe von Heroin in den Niederlanden hat die Studiengruppe unter Kosten-Nutzen-Gesichtspunkten ausgewertet (Cost utility analysis of co-prescribed heroin compared with methadone maintenance treatment in heroin addicts in two randomised controlled trials, BMJ 2005;330:1297 (4 June)). Volltext (für kurze Zeit) im BMJ – British Medical Journal:

Auch in Kanada tun sich ungeahnte Schwierigkeiten auf bei der Rekrutierung von Patienten für die nationale Heroinstudie (Globe and Mail, 24.5.2005):

 
Substanzen

Alkohol
Hintz, Thomas; Schmid, Goetz; Reuter-Merklein, Andrea; Nakovics, Helmut; Mann, Karl. Qualifizierter ambulanter Alkoholentzug: Enge Kooperation zwischen Hausarzt und psychosozialer Beratungsstelle – Ergebnisse eines Modellprojektes (Deutsches Ärzteblatt 102, Ausgabe 18 vom 06.05.2005):

Monthly Injections of Naltrexone Show Continued Benefit in Treating Alcoholism. Paula Moyer, MA, Medscape Medical News 2005:

Srisurapanont M, Jarusuraisin N. Opioid antagonists for alcohol dependence, Cochrane Database Syst Rev. 2005 Jan 25;(1):CD001867:

Amphetamine
MDMA Literature Review Update: March 2004-January 2005

Cannabis
Gibt es ein Gen, das für den Zusammenhang zwischen Cannabiskonsum im Jugendalter und die spätere Entwicklung psychotischer Störungen verantwortlich ist?

Für eine Studie zu den möglichen Risiken häufigen Cannabis-Konsums suchen Forscher des Universitätsklinikums Bonn junge Männer und Frauen, die regelmäßig Marijuana oder Haschisch konsumieren.
Studienteilnehmer erhalten im Rahmen dieser Studie spezifische Beratungsangebote.

Report Of The Jamaica National Commission On Ganja:

Ganja is not entirely safe (by the Jamaica Gleaner (18 May, 2005):

Kokain
Eine Gruppe von Suchtfachleuten aus dem Kanton Zürich hat ein Glossar zur Behandlung von Störungen durch Kokain zusammengestellt. Neben allgemeinen Prinzipien der Therapie von Substanzabhängigen werden spezifische psychotherapeutisch-psychosoziale Behandlungsansätze und pharmakologische Behandlungsmöglichkeiten vorgestellt und auf die weiterführende Literatur verwiesen. Das Glossar wird in regelmässigen Abständen aktualisiert:

Nikotin
Das Deutsche Krebsforschungszentrum in Heidelberg und die Bundesärztekammer (BÄK) haben zum diesjährigen Weltnichtrauchertag am 31. Mai eine wissenschaftliche Publikation mit dem Titel „Dem Tabakkonsum Einhalt gebieten – Ärzte aktiv in Prävention und Therapie der Tabakabhängigkeit“ herausgegeben.

Der Bundesverband der Betriebskrankenkassen und die DHS – Deutsche Hauptstelle gegen Suchtgefahren haben einen Leitfaden zur Tabakentwöhnung entwickelt:

WHO-Kollaborationszentrum für Tabakkontrolle, u.a. mit „Die Rauchersprechstunde – Beratungskonzepte für Gesundheitsberufe“ und
„Die Wasserpfeife, Kurzer Überblick über die Verwendung von Wasserpfeifen und Inhaltsstoffen im Rauch“, Download PDF (100 kb):

Bundesverbraucherministerin Renate Künast: Wissen was drin ist gilt auch für Tabak! Liste der Tabakinhaltsstoffe:

Das New York City Department of Health and Mental Hygiene verteilte an 34 000 tabakkonsumierende Personen kostenlose Sechs-Wochen-Packungen von Nikotinpflastern:

Das Abstract der Untersuchung „Effectiveness of a large-scale distribution programme of free nicotine patches: a prospective evaluation“, The Lancet 2005; 365:1849-1854 (für kurze Zeit):

Recherchen von US-Medizinern, die in Addiction (2005; 100: 837-851) vorgestellt und anlässlich des Weltnichtrauchertages publik gemacht wurden, enthüllen die Methoden, mit denen die Tabakindustrie in den letzten Jahrzehnten gezielt versuchte, den Anteil von Frauen unter den Rauchern zu erhöhen:

Opiate / Opioide
Endogenous opiates and behavior: 2003. In: Peptides. 2004 Dec;25(12):2205-56. Bodnar RJ, Klein GE. This paper is the 26th consecutive installment of the annual review of research concerning the endogenous opioid system, now spanning over a quarter-century of research. Abstract:

 
Aus Fachzeitschriften

Summaries und einzelne links zu den Themen HIV, Substitution, Substanzen:

 
War on drugs

Das Cannabis-Verbot kostet die USA jährlich zwischen 10 und 14 Milliarden US-Dollar, schätzt Dr. Jeffrey Miron, Professor für Wirtschaftswissenschaften an der Harvard-Universität:

"There is no logical basis for the prohibition of marijuana," erklärten daraufhin Nobelpreisträger Milton Friedman und mehrere hundert Wirtschaftswissenschaftler:

„ Marijuana Becomes Focus of Drug War“ befindet die Washington Post:

"Es gibt keine Alternative zum totalen Krieg gegen Drogen und Terror"
erklärte Kolumbiens Präsident Alvaro Uribe in einem Interview (Die WELT):

Die Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) führt
im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung Projekte im Programm "Entwicklungsorientierte Drogenkontrolle (EOD)" durch:

 
Kongressberichte

FDR – Fachverband Drogen und Rauschmittel, 28. BundesDrogenKongress, April 2005: Referate und Vorträge:

Subutex-Konferenz „safer options“, Hamburg, 19.-21.4.05: Die Power-Point-Präsentationen stehen ab Anfang Juli bei www.subutex.de zur Verfügung.

 
Verschiedenes

Die Integration von Klienten und Klientinnen mit Migrationshintergrund in die Institutionen der Suchthilfe - Theoretische und praktische Überlegungen. Janine Dahinden in abhängigkeiten 01/2005 [05/2005] -> aus dem Inhalt (Logo oder „mehr“ anklicken) -> Text kann als pdf-Datei kostenlos runtergeladen werden:

Vom 22. bis 24. August 2005 bietet die Koordinationsstelle Sucht im Landschaftsverband Westfalen-Lippe ein weiteres Mal
ihr Grundlagenseminar „Sucht und Migration“ an. Ort der Fortbildung ist der Jugendhof Vlotho. Referenten sind Dr. Thomas Hegemann vom Bayerischen Zentrum für Transkulturelle Medizin in München und Ramazan Salman vom Ethnisch-Medizinischen Zentrum Hannover.
Näheres unter http://www.lwl.org/ks oder telefonisch bei Elisabeth Rocklage: 0251 591-5383.

Die in der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen
zusammengeschlossenen Verbände der Suchthilfe haben sich in
gemeinsamen Beratungen auf die "Empfehlungen zu postgraduierten
Curricula in der Suchthilfe" verständigt (April 2005):

Veraltete staatliche Richtlinien und Verordnungen über den Einsatz und die Verschreibung von Opioiden behindern in ganz Europa eine angemessene Schmerztherapie. Das ist das Fazit des „Weißbuch zu Opioiden und Schmerz: eine gesamteuropäische Herausforderung“, die die das „Opioids and Pain European Network of Minds“ (OPEN Minds) verfasst und Mitte Juni dem Europäischen Parlament vorgelegt hat:

Der 108. Deutscher Ärztetag legte einen Schwerpunkt auf das Thema "Krankheit und Armut". Die Hauptreferate:

Der Bremer Brechmitteleinsatz: Innensenator geht straffrei aus, Ermittlungen gegen Polizei- und Notärzte noch nicht abgeschlossen:

“Neither War nor Peace” lautet eine internationale Untersuchung über Jugendgangs in zehn Ländern zwischen Kapstadt und Medellin, Chicago und Belfast:

Die spinnen, die Amis!

Schon jetzt möchten wir Sie zum 14. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Suchtmedizin in Berlin, 4. - 6. November 2005, einladen. Leitthema: Qualität und Individualität in der Suchtmedizin.

An der vorliegenden Ausgabe von dgs-info werden Sie eine Zeitlang zu lesen und rumzuklicken haben.
Sollte Ihnen diese Ausgabe gefallen haben, so empfehlen Sie uns bitte weiter.
Die nächste Ausgabe von dgs-info erscheint Anfang September. Schwerpunkt: Im August 1965 veröffentlichten Marie Nyswander und Vincent Dole ihren ersten Artikel zur Substitution Opiatabhängiger mit Methadon - Rückblick, Bestandsaufnahme, Beiträge aus aller Welt.

Mit freundlichen und kollegialen Grüßen
Redaktion dgs-info