dgs-info, Extraausgabe vom 08.01.2015 - Botulismus-Fälle bei Heroingebrauchern in Norwegen und Schottland

Liebe Leserinnen und Leser,

das RKI - Robert Koch Institut in Berlin bittet um Weitergabe dieser aktuellen Mitteilung.

Mit freundlichen Grüßen

dgs-info
Redaktion

 

-----Ursprüngliche Nachricht-----

Von: Zimmermann, Ruth [mailto:ZimmermannR@rki.de]
Gesendet: Mittwoch, 7. Januar 2015 17:15
Betreff: Botulismus-Fälle bei Heroingebrauchern in Norwegen und Schottland

Sehr geehrte Damen und Herren,

wir möchten hiermit über eine mögliche Häufung von Wundbotulismus-Fällen bei Drogengebrauchern in Norwegen und Schottland informieren. Dem RKI  ist am 29.12.2014 über das europäische Frühwarnsystem (EWRS) bisher ein klinisch diagnostizierter  Fall in der Gegend von Oslo bei einem Heroingebraucher bekannt geworden. Zwei weitere Verdachtsfälle in Schottland, die ebenfalls Heroin injiziert hatten wurden laut Presseerklärung in ernstem klinischem Zustand stationär aufgenommen.

Da eine kontaminierte Charge Heroin als Ursache der Häufung sein kann, sind Fälle auch in anderen Ländern nicht auszuschließen.

Das Krankheitsbild des Wundbotulismus entsteht durch Neurotoxine des Bakteriums Clostridium botulinum, eines im Erdstaub weit verbreiteten Sporenbildners. Auch in früheren Ausbrüchen von Wundbotulismus bei i.v. Drogenkonsumenten (z.B. Norwegen, USA, Vereinigtes Königreich) wurde subkutan injiziertes verunreinigtes Heroin als Infektionsquelle verdächtigt. Wie die Sporen (eine Dauerform der Bakterien) in das Heroin gelangten, lässt sich meist nicht ermitteln. Vorstellbar ist eine Verunreinigung beim Transport, durch das Zusetzen von Strecksubstanzen oder bei der Zubereitung des Heroins über andere Quellen (Lösemittel, verunreinigtes Spritzbesteck).

Werden Drogen, die Botulinumtoxin-produzierende Sporen enthalten, unter die Haut oder ins Muskelgewebe gespritzt, können sich die Bakterien vermehren, wenn im Gewebe anaerobe Bedingungen vorherrschen. Das gebildete Toxin löst ca. 4-14 Tage nach Infektion das Krankheitsbild aus. Neben lokalen Symptomen einer schweren Wundinfektion besteht das klinische Bild typischerweise aus den durch das Toxin verursachten Hirnnervenlähmungen, Doppelbildern, Ptosis, Schluck- und Atemstörungen bis hin zur länger dauernden Beatmungspflichtigkeit. Die Behandlung des Wundbotulismus besteht neben der Gabe von Botulinum-Antitoxin (nur in den ersten 24 Stunden wirksam) und einer symptomatischen Therapie in einer chirurgischen Wundversorgung (breite Eröffnung der Wunde) sowie - im Gegensatz zum lebensmittelbedingten Botulismus - in einer Antibiotikagabe (Penizillin G).

Wir  bitten Sie um Weitergabe der Informationen an Ihre Kooperationspartner in Drogenhilfeeinrichtungen, Substitutionspraxen und andere Einrichtungen, die mit Drogengebrauchern in Kontakt sind. Die Landesstellen des Öffentlichen Gesundheitsdienstes wurden informiert mit der Bitte um Weitergabe der Informationen an die Kliniken. Klinische Verdachtsfälle sind unverzüglich an das lokale Gesundheitsamt zu melden.

Weitere Informationen finden Sie unter den folgenden links:

 

Für Rückfragen stehen Christina Frank (FrankC@rki) und Ruth Zimmermann (ZimmermannR@rki.de) gerne zur Verfügung.

 

Mit freundlichen Grüßen,

i.A.
Dr. med. Ruth Zimmermann
Robert Koch Institut
Abteilung für Infektionsepidemiologie
Fachgebiet 34 HIV/AIDS und andere sexuell oder durch Blut übertragene Infektionen
Seestraße 10
13353 Berlin

Tel.: +49 30 18 754 3801
Fax: +49 30 18 754 3533
Email: ZimmermannR@rki.de

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Das Robert Koch-Institut ist ein Bundesinstitut im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Gesundheit.

 

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