dgs-info extra vom 13.06.2012 - tödliche Milzbrandsepsis bei einem iv-Heroinkonsumenten in Bayern

Liebe Leserinnen und Leser,

aus aktuellem Anlass senden wir Ihnen eine Mitteilung des RKI - Robert Koch Institut (Berlin) vom 12.06.2012  zu:

 

Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,

wie heute in der Epilag berichtet wurde dem Robert Koch-Institut aus Bayern (SK Regensburg) der Fall eines 51-jährigen Mannes übermittelt, der am 5.6.12 an einer Milzbrandsepsis verstorben ist. Er hatte u.a. Heroin intravenös und intramuskulär injiziert und sich wegen einer infizierten Injektionsstelle am 5.6.12 ärztlich vorgestellt. In der Blutkultur wurden am Mikrobiologischen Institut der Universität Regensburg aerobe Sporenbildner diagnostiziert. Die Verdachtsdiagnose Milzbrand wurde mittels PCR bestätigt. Eine mögliche Infektionsquelle ist verunreinigtes Heroin.

Im Zeitraum 2009/2010 gab es einen Ausbruch von Milzbrand bei Heroingebrauchern in Deutschland und dem Vereinigten Königreich, in dem verunreinigtes Heroin als Infektionsquelle vermutet wurde. Das Gesundheitsamt Regensburg hat die Kriminalpolizei eingeschaltet, auch um eventuelle weitere Infektionen durch möglicherweise verunreinigte Substanzen zu verhindern. Der Fall eines weiteren verstorbenen Mannes in Bayern, der möglicherweise im Zusammenhang mit dem oben berichteten Fall steht, wird derzeit untersucht.

Die bayerischen Ärztlichen Kreis- und Bezirksverbände sowie die methadonsubstituierenden Ärzte in Regensburg wurden über die Möglichkeit einer Anthraxinfektion über verunreinigtes Heroin informiert. Da kontaminiertes Heroin auch in anderen Bundesländern und europäischen Staaten vertrieben worden sein könnte, schlägt das RKI vor, dass bundesweit die Gesundheitsämter über die Situation informiert werden sowie, wenn möglich, auch Institutionen wie Drogenberatungsstellen, Drogentherapieeinrichtungen, und ähnliche Einrichtungen für Drogenabhängige. Darüber hinaus könnte auch eine Information von Krankenhäusern, Laboren und ggf. Schwerpunktpraxen sinnvoll sein.

Da die Prognose der Infektion durch eine frühzeitige gezielte Antibiotikatherapie deutlich verbessert werden kann, ist es wichtig, dass die mit der Betreuung der Betroffenen befassten Ärzte rechtzeitig an diese Diagnose denken. Weitere Informationen zu Milzbrand finden Sie u.a. auf der RKI-Homepage unter folgendem Link:
www.rki.de/DE/Content/InfAZ/A/Anthrax/Milzbrand_Kurzinformation.html

Das RKI wird die anderen EU-Mitgliedsstaaten und die Europäische Kommission über das Early Warning and Response System (EWRS), Drogenberatungs- und Drogentherapieeinrichtungen sowie die europäische Monitoringzentrale für Drogen und Drogensucht (EMCDDA) über den Fall informieren und ihn gemäß der Internationalen Gesundheitsvorschriften (IGV) melden.

Aufgrund des möglicherweise überregionalen und internationalen Interesses an diesem Fall bittet das RKI Sie, uns umgehend zu informieren, wenn Sie von ähnlichen Fällen erfahren. Ansprechpartnerin am RKI ist Frau Dr. Bernard (BernardH@rki.de, Tel. 030 18754 3173). Bei Fragen zur Diagnostik steht Herr PD Dr. Grunow vom Zentrum für Biologische Sicherheit (ZBS) 2 am RKI zur Verfügung (GrunowR@rki.de, Tel. 030 18754 2100).


Mit freundlichen Grüßen
i.A.
Helen Bernard
 
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Dr. Helen Bernard
Robert Koch-Institut
Abt. für Infektionsepidemiologie (Abt. 3)
Fachgebiet 35
DGZ-Ring 1
13086 Berlin
Tel: +49 (0)30 18754 3173
Fax: +49 (0)30 18754 3533
E-mail: BernardH@rki.de
Das Robert Koch-Institut ist ein Bundesinstitut im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Gesundheit.

 

Siehe auch

dgs-info extra, 21. Januar 2010: Anthrax. RKI-Informationsblatt für Drogenkonsumenten

dgs-info extra, 17.Januar 2010: Tödliche Milzbrandinfektion bei einem Heroinkonsumenten in Aachen

Anlage: Milzbrand-Drogenkonsum_Informationsblatt.pdf

 

A case of septicaemic anthrax in an intravenous drug user.
Powell AG, Crozier JE, Hodgson H, Galloway DJ
BMC Infect Dis. 2011 Jan 20;11:21.
PMID: 21251266 [PubMed - indexed for MEDLINE]

www.biomedcentral.com/1471-2334/11/21

 

Anthrax infection in drug users.
Booth MG, Hood J, Brooks TJ, Hart A; Health Protection Scotland Anthrax Clinical Network.
Lancet. 2010 Apr 17;375(9723):1345-6. No abstract available.
PMID: 20399978 [PubMed - indexed for MEDLINE]

www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0140673610605739

 

An outbreak of infection with Bacillus anthracis in injecting drug users in Scotland.
Ramsay CN, Stirling A, Smith J, Hawkins G, Brooks T, Hood J, Penrice G, Browning LM, Ahmed S; NHS GGC; Scottish National Outbreak Control Teams.
Euro Surveill. 2010 Jan 14;15(2). pii: 19465. Erratum in: Euro Surveill. 2010;15(3). pii: 19469.
PMID: 20085694
[PubMed - indexed for MEDLINE]

www.eurosurveillance.org/ViewArticle.aspx

 

Die nächste reguläre Ausgabe erscheint Anfang Juli.

 

Mit freundlichen und kollegialen Grüßen

dgs-info, Redaktion

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 Verbreitete Auflage am 13.06.2012: ????

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