dgs-info extra: Bundesärztekammer veröffentlicht neue Substitutionsrichtlinien (1.3.2010)

Liebe Leserinnen und Leser,

gestern hat die Bundesärztekammer (BÄK) die überarbeiteten Richtlinien zur substitutionsgestützten Behandlung Opiatabhängiger veröffentlicht. In der Presseerklärung der BÄK mit der Überschrift „Versorgung Suchtkranker weiter verbessern“ heißt es:

„Die  Richtlinien stellen nunmehr ausdrücklich fest, dass die Substitution Opiatabhängiger neben der schrittweisen Wiederherstellung der Betäubungsmittelabstinenz auch zur Behandlung einer schweren Begleiterkrankung oder zur Verringerung der Risiken während einer Schwangerschaft und nach der Geburt eingesetzt werden kann. Die Behandlungsziele sind jeweils am Einzelfall und an der gegenwärtigen Situation des Patienten auszurichten.“

Ziel der Richtlinien laut BÄK sei es, mehr Ärzte für diese Behandlungsform zu gewinnen und gleichzeitig die Betäubungsmittelsicherheit zu gewährleisten.

Weiter betont die BÄK: „Die bislang gültigen formalisierten Fristenregelungen werden in den überarbeiteten Richtlinien durch Regelungen ersetzt, die sich am individuellen Therapieverlauf orientieren und die die Entscheidungsfreiheit des Arztes innerhalb der bestehenden betäubungsmittelrechtlichen Bestimmungen stärken. Dies gilt sowohl für die erforderlichen begleitenden Arzt-Patienten-Kontakte als auch für die Durchführung von Beigebrauchskontrollen und die Voraussetzungen für eine Take-home-Verordnung.“

Die Presseerklärung im Wortlaut:

www.baek.de/page.asp

Die „Richtlinien der Bundesärztekammer zur Durchführung der substitutionsgestützten Behandlung Opiatabhängiger“ in der vom Vorstand der Bundesärztekammer in seiner Sitzung am 19. Februar 2010 verabschiedeten Fassung:

www.baek.de/downloads/RL-Substitution_19-Februar-2010.pdf

 

Zum Vergleich: die alten Richtlinien aus dem Jahre 2002:

Anhang: 
„Richtlinien der Bundesärztekammer zur Durchführung der
 substitutionsgestützten Behandlung Opiatabhängiger“
 (2002).

In einem ersten Kommentar weist Inge Hönekopp, Suchtbeauftragte der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg und Mitglied der Expertenkommission zur Novellierung der
„Richtlinien der Bundesärztekammer zur Durchführung der
 substitutionsgestützten Behandlung Opiatabhängiger“
 auf weitere Neuerungen hin:

"Die substitutionsgestützte Behandlung stellt eine wissenschaftlich evaluierte Therapieform der manifesten Opiatabhängigkeit dar.“

„Bei bestehender Schwangerschaft ist die Substitutionstherapie die Behandlung der Wahl, um Risiken für Mutter und Kind zeitnah zu vermindern und adäquate medizinische und soziale Hilfemaßnahmen einzuleiten.“

„Ein die Substitution gefährdender Gebrauch weiterer psychotroper Stoffe muss bei Einleitung der Substitution berücksichtigt und je nach Ausmaß behandelt werden.

Bei komorbiden substanzbezogenen Störungen ist darauf zu achten, dass die Substitution keine Erhöhung der Gefährdung darstellt.“

(...)

„Einstiegsdosis und Dosisfindung sind so zu wählen, dass auch bei nichtbestehender Opiattoleranz eine Überdosierung ausgeschlossen ist. In besonders schwierigen Einzelfällen sollte die Dosisfindung stationär erfolgen.“

„Bei einem Wechsel in eine Krankenhausbehandlung, Rehabilitationsmaßnahme, Inhaftierung oder andere Form einer stationären Unterbringung ist die Kontinuität der Behandlung durch die übernehmende Institution sicherzustellen.“

„Zum Zwecke der Qualitätssicherung gemäß § 5 M­BO und zur konsiliarischen Beratung substituierender Ärzte werden bei den zuständigen Landesärztekammern Beratungskommissionen eingerichtet. Diesen gehören in der Sucht- und Substitutionsbehandlung erfahrene Ärzte an. Bei entsprechenden Fragestellungen werden Vertreter des Drogenhilfesystems oder andere Experten zu den Beratungen hinzugezogen. Eine enge Zusammenarbeit mit der zuständigen Qualitätssicherungskommission der Kassenärztlichen Vereinigung ist anzustreben.“

Damit wird erstmals auch die Möglichkeit geschaffen, private Substitutionsbehandlungen außerhalb der gesetzlichen Krankenversicherungen, die nicht in den Zuständigkeitsbereich der  Qualitätssicherungskommissionen der Kassenärztlichen Vereinigungen fallen, zu überprüfen.

Die Expertenkommission hat nach der gesetzlichen Zulassung von Heroin (Diamorphin) als Substitutionsmedikament besondere Regelungen für diese Behandlungsform in die neuen Richtlinien eingearbeitet.

Eine ausführliche Wertung der neuen Richtlinien lesen Sie in der Aprilausgabe von dgs-info.

Die nächste Ausgabe erscheint Anfang April

Mit freundlichen und kollegialen Grüßen

Redaktion dgs-info

 

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