dgs-info extra, 17.Januar 2010: Tödliche Milzbrandinfektion bei einem Heroinkonsumenten in Aachen
Liebe Leserinnen und Leser,
das Robert Koch Institut (RKI) teilt mit, dass in Aachen ein 42-jähriger Heroinkonsument am 13.12.2009 an den Folgen von kutanem Milzbrand (Hautmilzbrand, Anm.: dgs-info) verstorben ist. Der Mann hatte sich vermutlich Heroin intravenös in die Kniekehle injiziert.
Die Mitteilung des RKI vom 14.01.2010:
Berlin. Milzbrand-Todesfall bei einem i.v. Drogenkonsumenten in Nordrhein-Westfalen
Aus Nordrhein-Westfalen (Städte Region Aachen) wurde der Fall eines 42-jährigen Mannes übermittelt, der am 13.12.2009 an den Folgen von kutanem Milzbrand verstorben ist. Der Mann hatte sich vermutlich Heroin intravenös in die Kniekehle injiziert. Im Wundabstrich von der Injektionsstelle wurden aerobe Sporenbildner diagnostiziert. Die Verdachtsdiagnose Milzbrand wurde am 18.12.2009 mittels PCR bestätigt. Neben einem chronischen intravenösen Drogenabusus lagen bei dem Verstorbenen eine chronische Hepatitis B und C, eine HIV-Infektion sowie ein chronischer Alkohol- und Benzodiazepinabusus vor. (Mitteilung des Robert Koch Instituts vom 14.01.2010)
Die vollständige Mitteilung des RKI:
www.rki.de/cln_160/nn_460940/DE/Content/InfAZ/A/Anthrax/Milzbrand-Todesfall__in__NRW.html
www.rki.de/DE/Content/InfAZ/A/Anthrax/Milzbrand-Todesfall__in__NRW.html
Was ist Milzbrand?
Milzbrand (Anthrax) – Kurzinformation anlässlich eines Milzbrand-Todesfalles bei einem i.v. Drogenkonsumenten im Dezember 2009 in Deutschland. (RKI, 14.01.2010)
www.rki.de/cln_160/nn_460940/DE/Content/InfAZ/A/Anthrax/Milzbrand__Kurzinformation.html
Milzbrand (Anthrax): RKI-Ratgeber Infektionskrankheiten – Merkblätter für Ärzte
Erstveröffentlichung im Bundesgesundheitsblatt 12/2001
www.rki.de/cln_160/nn_460940/DE/Content/Infekt/Biosicherheit/Erreger/dl__anthrax.html
Aus der Presse (Ärzteblatt):
Tödlicher Milzbrand bei Heroinkonsumenten. (aerzteblatt.de, 15.10.2010)
www.aerzteblatt.de/nachrichten/39691/Toedlicher_Milzbrand_bei_Heroinkonsumenten.htm
Fälle von Antrax (Milzbrand) werden seit Anfang Januar auch aus Schottland gemeldet. Dort sind bis zum 11.Januar 14 Fälle beobachtet worden, sieben verliefen bislang tödlich.
Großbritannien. Anthrax infection in those who inject heroin. (Health Protection Agency, 07.01.2010)
www.nta.nhs.uk/about/docs//HPA_Advice_re_anthrax_07012010.pdf
Großbritannen. RISE IN CASES OF ANTHRAX INFECTIONS IN HEROIN INJECTING DRUG USERS. (Chief Medical Officer (via NTA), UK, 07.01.2010)
www.nta.nhs.uk/about/docs/CMO_bulletin_re_anthrax_07012010.pdf
Großbritannien. Further Anthrax Cases Confirmed
Two additional cases of anthrax, one of whom has died, have been confirmed in drug users in Scotland, bringing the total number of confirmed cases in this outbreak to fourteen. The number of deaths is now at seven. (Health Protection Scotland, UK, 11.01.2010)
www.documents.hps.scot.nhs.uk/news/anthrax-press-release-2010-01-11.pdf
Der Öffentliche Gesundheitsdienst in Schottland und das RKI in Berlin haben über das unerklärliche Auftreten von Milzbrand erste Beobachtungen in europeansurveillance.org veröffentlicht:
Eurosurveillance, Volume 15, Issue 2, 14 January 2010
Rapid communications
PRELIMINARY CASE REPORT OF FATAL ANTHRAX IN AN INJECTING DRUG USER IN NORTH-RHINE-WESTPHALIA, GERMANY, DECEMBER 2009
D Radun, H Bernard, M Altmann, I Schöneberg, V Bochat, U van Treeck, R M Rippe, R Grunow, M Elschner, W Biederbick, G Krause
www.eurosurveillance.org/ViewArticle.aspx
Eurosurveillance, Volume 15, Issue 2, 14 January 2010
Rapid communications
AN OUTBREAK OF INFECTION WITH BACILLUS ANTHRACIS IN INJECTING DRUG USERS IN SCOTLAND
C N Ramsay, A Stirling, J Smith, G Hawkins, T Brooks, J Hood, G Penrice, L M Browning, S Ahmed,
www.eurosurveillance.org/ViewArticle.aspx
Es ist nicht auszuschließen, dass weitere Fälle in Deutschland auftreten oder sogar schon aufgetreten sind. Die DGS – Deutsche Gesellschaft für Suchtmedizin bittet deshalb, diese Extraausgabe von dgs-info an Beratungsstellen, Drob Inn Einrichtungen und Stellen für Spritzen- Nadeltauschprogramme, Gesundheitsräume, Arztpraxen und Aufnahmestationen von Krankenhäusern weiterzuleiten.
Milzbrandverdachtsfälle mögen umgehend an die örtlichen Gesundheitsbehörden oder an das RKI gemeldet werden:
„Aufgrund der möglicherweise überregionalen und internationalen Tragweite dieses Geschehens bitten wir um umgehende Benachrichtigung, wenn Sie von aktuellen Fällen oder Fällen aus der Vergangenheit erfahren, die mit diesem Geschehen in Zusammenhang stehen könnten. Wenden Sie sich hierfür bitten an das zuständige Gesundheitsamt vor Ort.
Ansprechpartnerinnen im Robert Koch-Institut sind Frau Dr. Radun (RadunD@rki.de, Tel. 030 18754-3406 oder Mobil 0175/5726606) und Frau Dr. Bernard (BernardH@rki.de, Tel. 030 18754-3173).
Außerhalb der regulären Arbeitszeiten ist das Robert Koch-Institut über die infektionsepidemiologische Rufbereitschaft (Tel. 030 18754-0) zu erreichen. Bei Fragen zur Diagnostik steht Herr PD Dr. Grunow vom Zentrum für Biologische Sicherheit (ZBS) 2 am Robert Koch-Institut zur Verfügung (GrunowR@rki.de, Tel. 030 18754-2100).“ (RKI-Mitteilung vom 14.01.2010)
Anfang der Woche erscheint ein Merkblatt des RKI für Drogenkonsumenten, das ebenfalls über den Verteiler von dgs-info in Umlauf gebracht wird.
Die nächste reguläre Ausgabe von dgs-info erscheint Anfang Februar.
Mit freundlichen und kollegialen Grüßen
dgs-info, Redaktion
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