dgs-info extra, 14.11.05: RKI warnt vor infektiösem Heroin im Großraum Köln

!!! Bitte weiterleiten an Drogenberatungsstellen, Übernachtungsstätten, Spritzentauscheinrichtungen, Substitutionspraxen und –ambulanzen, PSB-Einrichtungen, Krankenhaus-Aufnahmestationen und Notfallabteilungen, KV-Notfallpraxen !!!

Das Robert-Koch-Institut, Abteilung für Infektionsepidemiologie, warnt vor infektiösem Heroin im Großraum Köln. Nach Mitteilung des Berliner Instituts sind in den vergangenen Tagen in und um Köln neun Verdachtsfälle von Wundbotulismus aufgetreten. Die Infektion zeigt sich mit Hirnnervenlähmungen, Doppelbildern, herabhängenden Augenlidern, Schluckstörungen und Atembeschwerden.
Bei einem Fall wurden Clostridien isoliert, eine genaue Bestimmung des Erregers bzw. Giftstoffs steht noch aus.
Da nicht auszuschließen ist, dass dieses Heroin auch in anderen Bundesländern vertrieben wird, sollen die Gesundheitsämter die örtlichen Gesundheitseinrichtungen für Drogenabhängige aber auch die Notfall- und Aufnahmestationen von Krankenhäusern informieren.

Was sind Clostridien (->Clostridium), was ist Botulismus?

http://www.gesundheit.de/roche/


Bereits 2004 hatte das RKI von einem ähnlichen Fall berichtet:

Epidemiologisches Bulletin 43 / 2004, Seite 371. Wundbotulismus – Übersicht und Fallbericht. Erscheinungsdatum: 22.10.2004, PDFpdf (142 KB).

http://www.rki.de/cln_011/nn_527010/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2004/43__04.html__nnn=true


Clostridien gehören zu den gefürchtetsten Verunreinigungen in Heroin, wusste schon 2001 die Europäische Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht (EMCDDA-Lissabon) zu berichten (in: drugnet europe (Nr.31, Sept-Okt 2001, Seite 6):

http://www.emcdda.eu.int/?nNodeID=411

http://news.bbc.co.uk/1/hi/health/792063.stm


In Großbritannien und Irland ging drei Jahre später erneut die Angst in der Szene um (Euro Surveill 2004;9(9):15-6): Outbreak of Clostridium histolyticum infections in injecting drug users in England and Scotland.

http://www.eurosurveillance.org/em/v09n09/0909-221.asp


Kein Einzelfall, wie das Rechercheergebnis in pubmed zu den Stichworten „heroin“ und „clostridium“ ergab (13.11.05, eine Vielzahl von Publikationen mit kostenlosem Zugang):

 
Washington 2003 – Fallberichte

Wound Botulism Among Black Tar Heroin Users— Washington, 2003. JAMA – Journal of the American Medical Association, October 8, 2003;290:1848.

http://jama.ama-assn.org/cgi/content/full/290/14/1848


In San Francisco war es im Dezember 2000 zu Fällen von Wundbotulismus gekommen, das Gesundheitsamt ging daraufhin an die Öffentlichkeit:

http://www.harmreduction.org/health/health/healthalert2.html


Wundbotulismus – eine Fallbeschreibung aus Amman / Jordanien, King Hussein Medical Centre:

http://www.emro.who.int/Publications/EMHJ/0703/Botulism.htm


Der link für Mikrobiologen: Amplified fragment length polymorphism (AFLP) analysis of Clostridium novyi, C. perfringens and Bacillus cereus isolated from injecting drug users during 2000. J. Med. Microbiol. -- Vol. 51 (2002), 990-1000.

http://jmm.sgmjournals.org/cgi/content/abstract/51/11/990


Sollten Sie einen Verdachtsfall abklären oder melden wollen, so wenden Sie sich bitte an:

RKI – Robert-Koch-Institut, Abteilung für Infektionsepidemiologie, Tel.: (030) 4547 – 3690. Email: AlpersK@rki.de

oder:

Konsiliarlabor für Anaerobier in Leipzig: Tel: 0341 – 9715258.


Der nächste reguläre Rundbrief erscheint Anfang 2006.

Mit freundlichen und kollegialen Grüßen

dgs-info, Redaktion

--
dgs-info wird herausgegeben vom Vorstand der DGS – Deutsche Gesellschaft für Suchtmedizin und erscheint alle zwei Monate. Der Bezug ist kostenlos.

Bestellungen und Abbestellungen können Sie vornehmen unter
http://dgsuchtmedizin.de/aktuelles/newsletter.anmeldung/index.html

Alte Ausgaben finden Sie unter
http://www.dgsuchtmedizin.de/aktuelles/newsletter/index.html

Die Redaktion erreichen Sie über: redaktion@dgsuchtmedizin.de
Leserbriefe richten Sie bitte an: dgs-info@dgsuchtmedizin.de

Verantwortlicher Redakteur: Hans-Günter Meyer-Thompson (Hamburg). Mitarbeit an dieser Ausgabe: Jürgen Heimchen (Bundesverband der Eltern und Angehörigen für akzeptierende Drogenarbeit e.V., http://test.akzeptierende-eltern.de/index.php?topgroupid=&groupid=11 ) und Matthias Haede (JES-Bielefeld, http://www.jes-bielefeld.de/ ).