dgs-info, Ausgabe 110, August 2018

Liebe Leserinnen und Leser,

es gibt ein Jubiläum zu „feiern“:

30 Jahre Methadon.

Am 01.04.1988 begann das Modellprojektes „Wissenschaftliches Erprobungsvorhaben medikamentengestützte Rehabilitation bei i V. Opiatabhängigen“ des Ministeriums für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen in Bochum, Düsseldorf und Essen.

Einige der älteren Kolleginnen und Kollegen erinnern sich sicher noch an die heftig geführte Auseinandersetzung um diese in anderen (europäischen) Ländern längst etablierte Behandlungsmethode. Zur Erinnerung hier ein Artikel aus der taz von 1988: www.taz.de/!1840374/   (taz. die tageszeitung vom 24. 8. 1988  Inland S. 11-12, H.- G. Behr).

Zu diesem Zeitpunkt breitete sich das HI – Virus auch bei Drogengebrauchern besorgniserregend aus, trotzdem behauptete z. B. das Ministerium für Arbeit, Gesundheit, Familie und Sozialordnung Baden-Württemberg in einem „Positionspapier“, im April 1987: „Mit einer Verschreibung von Ersatzstoffen könnte keine Verringerung der Ausbreitung von Aids erreicht werden, aber alle Hilfen für HIV-positive Abhängige würden verspielt, weil sie kaum noch bereit wären, sich angesichts der bequemen Möglichkeit der Einnahme eines Ersatzstoffes - einer mit persönlichen Anstrengungen und Versagungen verbundenen stationären Entwöhnung zu unterziehen. (...).

Substituierende Ärzte wurden kriminalisiert und strafrechtlich verfolgt, gestützt durch ärztliche „Gutachter“, wie z. B.  im Prozess gegen Johannes Kapuste (http://magazin.spiegel.de/EpubDelivery/spiegel/pdf/40616176). Mit Beginn des NRW – Erprobungsvorhabens war diese rigorose Position nicht mehr aufrecht zu erhalten, aber die Bundesärztekammer war bemüht, den „Deckel geschlossen zu halten“:

Ersatzdrogen

Stellungnahme des gemeinsamen Arbeitskreises des Wissenschaftlichen Beirates und des Ausschusses „Psychiatrie, Psychotherapie und Psychohygiene" der Bundesärztekammer vom 4. Februar 1988

„Die seit 25 Jahren vorliegenden Erfahrungen mit Drogen-Ersatzprogrammen, wie zum Beispiel Methadon, sind in den verschiedenen Ländern unter bestimmten und unterschiedlichen Zielvorstellungen gewonnen worden. Alle bisher vorliegenden Ergebnisse berechtigen nicht zu der Annahme, daß dadurch wesentliche Änderungen der Sucht ermöglicht werden. Die überwiegende Zahl der Drogenabhängigen wird von solchen Programmen nicht erreicht. Zugleich bleiben diese häufig nicht bei der Ersatzdroge allein, sondern greifen auch auf weitere Suchtstoffe, zum Beispiel Opiate, aber auch Alkohol und Tranquilanzien zurück. Das Ersatzmittel führt zu einer Ausweitung des Abhängigkeitsverhaltens. Dadurch wird die Polytoxikomanie gefördert, die wegen additiver Effekte oder fehlender Kreuztoleranz in manchen Fällen das Leben des Süchtigen bedroht. Es besteht die Gefahr, daß nicht Drogenfreiheit erzielt, sondern lebenslanger Bedarf an Suchtmitteln erzeugt und unterhalten wird. Das Betäubungsmittelgesetz macht die Verschreibung und die Vergabe von Betäubungsmitteln davon abhängig, daß ihre Anwendung ärztlich begründet ist und der beabsichtigte Zweck auf eine andere Weise nicht erreichbar ist. Eine soziale Zielsetzung, wie zum Beispiel Verringerung der Kriminalität, ist damit nicht vereinbar. Selbst wenn mit Hilfe solcher Programme in Einzelfällen eine soziale Integration möglich ist, wie vorliegende Untersuchungen zeigen, kann daraus doch nicht gefolgert werden, daß dies ein wesentlicher Schritt in der Behandlung der Drogenabhängigen ist. Die Abhängigkeit wird in der Regel durch den Arzt verfestigt, wenn dieser abhängigkeiterhaltende Arzneimittel verordnet.“

Auch 1990 – also schon 2 Jahre nach Start des Erprobungsvorhabens hält diese restriktive Haltung an:

Ersatzdrogen

Beschluß des Vorstandes der Bundesärztekammer vom 9. Februar 1990

Zur zeitlich begrenzten Verordnung von Levomethadon

a) Die Entgiftung mittels Methadon bei schwerer Opiatabhängigkeit muß in der Regel stationär erfolgen (Dauer der Entgiftungstherapie stationär 3 bis 5 Tage, bei ausnahmsweiser ambulanter Entgiftung 7 bis 14 Tage).

b) Der Einsatz von Levomethadon bei schwerer körperlicher Abhängigkeit dient der Überbrückung anders nicht beherrschbarer Entzugserscheinungen; die Vergabedauer ist nach Tagen zu bemessen.

c) Drogenabhängige Schwangere bedürfen in der perinatalen Phase der spezifischen Überwachung, während der Schwangerschaft kann die Gabe von Levomethadon angezeigt sein.

d) HIV-Infizierte (ohne klinische Krankheitssymptome) sind wegen der noch ungeklärten Wirkung von Methadon auf das Immunsystem von der Gabe auszuschließen.

Hier die Stellungnahmen der Ärztekammer zum Nachlesen im Volltext:

www.aerzteblatt.de/pdf.asp

Und heute?

Die Substitutionstherapie hat sich als Methode der 1. Wahl etabliert, der Erfassungsgrad der opioidgestützten Substitutionsbehandlung liegt in Deutschland bei ca. 50 % (Deutschland liegt damit im europäischen Mittelfeld), die HIV – Neu – Diagnosen bei Drogengebrauchern sind rückläufig (dies trifft im Wesentlichen für Westeuropa zu), allerdings ist die Zahl der drogenbedingten Todesfälle in Deutschland und europaweit wieder angestiegen, wobei besonders ein Anstieg der gemeldeten Zahl der Todesfälle durch Überdosierung in höheren Altersgruppen zu verzeichnen ist. Dies wird in der Zukunft das Versorgungssystem vor besondere Herausforderungen stellen. Diese – und viele andere – Daten sind nachzulesen im Europäischen Drogenbericht 2018:  http://www.emcdda.europa.eu/system/files/publications/8585/20181816_TDAT18001DEN_PDF.pdf

Zur Vervollständigung der Datenlange hier gleich der World Drug Report 2018 der UNO (UNODC), der zahlreiche lesenswerte Auswertungen zu speziellen Fragestellungen enthält, wie „Sucht und Alter“, „Frauen und Sucht“ etc:

www.unodc.org/wdr2018/. Weitere Stichpunkte in dem Report: opioid crisis, prescription drug abuse expands; cocaine and opium hit record highs.

 

Die alternde Population der Drogengebraucher (eigentlich erfreulich und ein Erfolg der Substitutionstherapie) mit schwerer Multimorbidität führt in zunehmendem Maße zu verfrühter Pflegebedürftigkeit. Die Reform des BtmG hat die Substitution in Pflegeheimen zwar möglichgemacht, die „Hilfestellung der Bundesärztekammer“ zum Abschluß einer Vereinbarung ist aus Sicht der DGS aber so kompliziert, dass weder die Mitarbeiter*innen in der Altenpflege noch die substituierenden Kollegen*innen dadurch motiviert werden, sich dieser Problematik anzunehmen.

www.bundesaerztekammer.de/fileadmin/user_upload/downloads/pdf-Ordner/Sucht/Substitution_extern.pdf

Wir bitten deshalb noch einmal – und dringend – unsere Leser und Leserinnen, die einschlägige Erfahrungen mit der Versorgung suchtkranker Menschen in Pflegeeinrichtungen haben, dem Vorstand ihre Einschätzung zu übermitteln, und uns ggf. eine Kopie der Vereinbarung mit dem Pflegeheim zuzusenden.

Selbstverständlich werden wir dies vertraulich behandeln.

 

Die Versorgung von Drogengebrauchern*innen durch Substitution ist zunehmend gefährdet.

Nicht nur die Patienten altern – auch die substituierenden Ärzte*innen werden älter und streben den Ruhestand an, ohne das ausreichen junge „Nachrücker“ in Sicht sind. In einigen Regionen führt das bereits jetzt zu Versorgungsengpässen. Hier zwei willkürlich ausgewählte Beispiele:

www.lz.de/lippe/lemgo/20390528_Viel-zu-wenig-Methadon-Praxen.html

www.wn.de/Muensterland/Kreis-Warendorf/2010/07/Kreis-Warendorf-30-Jahre-Drobs-Zu-wenig-Aerzte-fuer-Methadon

Diese Problematik ist den KV´en mittlerweile bewußt (z. B. KV Bayern www.kvb.de/fileadmin/kvb/dokumente/Presse/Publikation/Impuls/KVB-Impuls-4-2017-Methadonsubstitution.pdf).

Trotz der deutlichen Verbesserung der Rechtssicherheit durch die BTM – Reform, Apelle der KV´en („Bitte substituieren sie“) und anderen regional unterschiedlichen Fördermaßnahmen, kann ein zählbarer Erfolg bisher nicht festgestellt werden. Suchtmedizin und speziell die Substitutionstherapie leiden immer noch unter dem schlechten Image („dirty medicine), dass unsere ärztlichen Standesvertreter – wie oben gezeigt – über viele Jahre gepflegt haben. Um die Substitutionstherapie aus dieser „Schmuddelecke“ herauszuholen und junge Kollegen*innen für diese Therapieform zu motivieren, bedarf es noch etlicher weiterer Verbesserungen:

1.    Erwarten wir – und gehen davon aus - , dass der Gemeinsame Bundesausschuss in seiner Sitzung Anfang September die Richtlinien der BÄK ohne inhaltliche Abstriche in die neu zu formulierenden GBA-Richtlinien übernimmt.

2.    Die Einführung der Zi. 0149 ist ein Fortschritt – erstmals wird die Leistung zur Feststellung der take home Fähigkeit anerkannt – diese Ziffer bildet aber bei weitem nicht den Aufwand ab, der bei diesem Leistungsinhalt anfällt, dies gilt besonders bei den jetzt möglichen längeren take home Zeiten und wird mit der Einführung der Buprenorphin Depot Injektion noch brisanter.

(http://www.rxlist.com/sublocade-drug.htm#clinpharm, www.camurus.com/cam2038-opioid-dependence/, www.fda.gov/downloads/AdvisoryCommittees/CommitteesMeetingMaterials/Drugs/PsychopharmacologicDrugsAdvisoryCommittee/UCM582594.pdf)

3.    Die neu eingeführte Konsiliargebühr  Zi. 01960 ist mit 90 Punkten (9,48 €) dramatisch unterfinanziert – fast schon eine Provokation für alle Suchtmediziner*innen, die das Konsiliarverfahren durchführen.

4.    Es wird zu diskutieren sein, ob die Einzelleistungsvergütung bei der Substitution noch zeitgemäß ist und ob eine nach Schweregraden differenzierte Pauschalierung – vergleichbar mit dem HIV – Vertrag – nicht sachgerechter wäre.

5.    Und wie schon öfter angemerkt: Suchtmedizin ist mehr als Substitution: Weitere Leistungen der Suchtmedizin,  die bisher keinerlei Abbildung im EBM gefunden haben, werden hier auch zu konkretisieren sein:

  • Screening auf alkoholbezogene Störungen (z. B. im Rahmen des Check up)
  • Therapie alkoholbezogener Störungen mit Anti-craving Substanzen oder Disulfiram
  • Ambulanter Alkoholentzug
  • Tabakentwöhnung
  • Ambulante Interventionen bei Stimulantienabusus und/oder NPS
  • Interventionen bei cannabisbezogenen Störungen

6.    Dies sind Diskussionsvorschläge, sicher wird es noch weitere Ideen z. B. im Laborbereich geben. Bei dieser Diskussion möchten wir die DGS -  Mitglieder unbedingt einbeziehen, uns schwebt die Einrichtung einer Arbeitsgruppe EBM vor.

 

Eine gute Gelegenheit hierzu wäre der

27. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Suchtmedizin

02. - 04.11.2018 im H4 Hotel Berlin Alexanderplatz

Unter dem Motto: „Sucht – You never walk alone".

Das Vorläufige Programm ist einsehbar unter www.dgsuchtmedizin.de/uploads/media/DGS_Programm-2018_02.pdf

 

Verordnung von Medizinalcannabis

Die Verordnung von Cannabis aus medizinischer Indikation ist jetzt möglich, offensichtlich ist die Genehmigungspraxis  der Krankenkassen bzw. des MDK sehr unterschiedlich. Unsere herzliche Bitte an alle Mitglieder:

Teilen sie uns ihre Erfahrungen mit der Genehmigungspraxis mit, besonders interessieren uns natürlich ablehnende Bescheide.  Die DGS möchte Daten hierzu sammeln, um ggf. intervenieren zu können.

Hier ein Überblick über die Situation international:

Medicinal cannabis policies and practices around the world

fileserver.idpc.net/library/Medicinal%20cannabis%20briefing_ENG_FINAL.PDF

 

Immer eine gute und aussagekräftige Quelle zur Situation in Deutschland ist der

5. Alternativer Drogen- und Suchtbericht 2018

Herausgegeben von akzept e.V., Deutsche AIDS-Hilfe, JES e.V. (Hrsg.)

alternativer-drogenbericht.de/wp-content/uploads/2018/06/akzeptADSB2018web.pdf

 

Nationale Gedenktag für verstorbene Drogengebraucher

Am 21. Juli 2018 war wie jedes Jahr der – Nationale Gedenktag für verstorbene Drogengebraucher, - Anlass und Mahnung weiter mit vollem Engagement für die Verbesserung der Situation drogengebrauchender Menschen zu arbeiten.

www.jes-bundesverband.de/fileadmin/user_upload/PDF/Pressetexte/Gedenktag_2018_final.pdf

 

Qualitätssicherung

Landessozialgericht Berlin-Bran­denburg erklärt Qualitäts­prüfungs-Richtlinie für rechtswidrig

www.aerzteblatt.de/nachrichten/96310/Landessozialgericht-Berlin-Brandenburg-erklaert-Qualitaetspruefungs-Richtlinie-fuer-rechtswidrig

Wir sind gespannt und werden aufmerksam verfolgen, wie dieser Rechtsstreit weitergeht. Gerade bezgl. Datensicherheit ist bei unseren Patienten besondere Sensibilität gefordert.

 

Hilfe für Kinder aus suchtbelasteten Familien

Ein Leitfaden, der sich sich an Mediziner*innen und Mitarbeiter*innen des Gesundheitswesens wendet, um ihnen Interviewtechniken und praktische Interventionswerkzeuge vorzustellen, die für den Umgang mit suchtbelasteten Familien und deren Kindern hilfreich sind:

Ein Leitfaden für Ärztinnen und Ärzte sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Gesundheitswesen

nacoa.de/sites/default/files/images/stories/pdfs/%C3%84rztebrosch%C3%BCre_klein.pdf

 

Die Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen bittet um Unterstützung bei der Erstellung einer Masterarbeit zum Thema "Elternschaft und Sucht":

Sehr geehrte Damen und Herren, 

wir möchten hiermit noch einmal für die Teilnahme an unserer Studie zum Thema Elternschaft und Sucht erinnern.

Gesucht werden Drogenabhängige, die Eltern sind (unabhängig davon, ob Kontakt zum Kind besteht oder nicht). 

Eine Teilnahme erfolgt Online und ist per Smartphone oder PC möglich. Die Teilnahme dauert 20-30 Minuten.

Die Umfrage endet am 16. September 2018!

Der Link befindet sich im Aushang/Poster - es wäre schön, wenn sie diesen an ihre Klienten und Klientinnen weiterleiten oder in Ihren Einrichtungen aushängen könnten.

Für Rückfragen stehen wir Ihnen gerne jederzeit zur Verfügung und sind Ihnen für Ihre Mithilfe sehr dankbar. 

Vielen Dank und mit freundlichen Grüßen,

Kerstin Flechtker, Katharina Krause und Katharina Rudek

Hier geht es direkt zur Umfrage:

survey.katho-nrw.de/index.php/275157

 

Bei aller Problematik bei uns, es gibt Gegenden auf der Welt, da ist die Situation desaströs:

 

Welt-Aids-Konferenz warnt vor Rückschlag bei Aids-Bekämpfung

Zu Beginn der Welt-Aids-Konferenz in Amsterdam haben Teilnehmer vor einem Rückschlag beim Kampf gegen die Immunschwächekrankheit gewarnt. Wissenschaftler und Aktivisten erklärten, durch fehlenden politischen Willen, Geldmangel und Diskriminierung könne die Epidemie nicht überall wirkungsvoll bekämpft werden.

Lage in Russland und Zentralasien bedrohlich

Besonders bedrohlich ist die Lage demnach in Osteuropa und Zentralasien. Sprecher von sechs Anti-Aids-Organisationen warnten, dort gebe es jährlich rund 190.000 neue HIV-Infizierte, davon 80 Prozent in Russland. Nur eine Minderheit der Patienten habe Zugang zu Medikamenten. Die UN-Organisation Unaids schätzt sie Zahl der Neuinfektionen mit 130.000 niedriger. Doch auch für Unaids ist die Region diejenige, in der die Epidemie am deutlichsten zunimmt. Besonders betroffen sind Menschen, die in Armut leben, sowie Drogenabhängige.

www.mdr.de/nachrichten/politik/ausland/welt-aids-gipfel-in-amsterdam-100.html

Einige spotlights der Konferenz, ausgewählt und zusammengestellt von K. Römer, Köln:

Die 22. Internationale AIDS Konferenz in Amsterdam zog in diesem Jahr mehr als 16.000 Teilnehmer an. Es ist die größte  Konferenz im Bereich HIV und AIDS, die alle zwei Jahre stattfindet.

Unter dem  diesjährige Motto „Building Bridges – Breaking Barriers“  fanden sich Themen aus  Wissenschaft, Gesellschaft und Politik. Die Konferenz mündete in dem gemeinsamen Appell, Gleichberechtigung zu fördern und gegen Stigma vorzugehen.

Der Integrasehemmer Dolutegravir im Focus

Ein besonderer Schwerpunkt lag rund um den Integrasehemmer Dolutegravir. Die Substanz hat in den WHO-Leitlinien zur Therapie der HIV-Infektion sowie in vielen nationalen Leitlinien einen hohen Stellenwert. Im Rahmen der Tsepamo-Studie fanden sich kürzlich vier Neuralrohrdefekte bei Babys, deren Mütter zum Zeitpunkt der Konzeption Dolutegravir erhalten hatten. Inwieweit dieses vorläufige Signal sich in weiteren Analysen bestätigt, wird derzeit untersucht. Bis auf weiteres wird aber in den neuen WHO Leitlinien zur Vorsicht bei Frauen mit Kinderwunsch geraten; auch in Deutschland warnte bereits ein Rote-Hand-Brief vor der Anwendung von Dolutegravir bei Frauen im gebärfähigen Alter.

Dolutegravir ist aber auch Bestandteil der neuen substanzsparenden Therapiekonzepte und wird sowohl in Kombination mit 3TC als auch in Kombination mit Rilpivirin (bereits zugelassen als Juluca® für vorbehandelte Patienten ohne Resistenzen mit Virussuppression) verwendet. Studiendaten aus der  Gemini-Studie zeigten eine Nichtunterlegenheit von Dolutegravir/3TC im Vergleich zu Dolutegravir plus Tenofovir/fTC nach 48 Wochen. Auch die Umstellung auf Dolutegravir/Rilpivirin bei vorbehandelten, supprimierten Patienten zeigte sich in den SWORD 1+2- Studien nach 100 Wochen gut wirksam. Im Rahmen einer lebenslang angelegten HIV Therapie können diese Zweierkombinationen also eine Option sein.

Nicht zu empfehlen ist eine Erhaltungstherapie mit Dolutegravir als Monosubstanz, hier ist eine Resistenzentwicklung durchaus nach einiger Zeit zu erwarten, wie die französische MONCAY Studie zeigte.

Neue Therapieoptionen

In der näheren Zukunft wird es neue Therapieoptionen geben, die besonders für Patienten mit Adhärenzschwierigkeiten interessant werden könnten. Eine Nanoformulierung des Integrasehemmers Cabotegravir wird in Kombination mit dem NNRTI Rilpivirin nach einer oralen Einleitungsphase entweder alle 4 oder alle 8 Wochen intramuskulär injiziert. Die Patienten zeigen sich mit dem Konzept sehr zufrieden und die meisten halten auch das Dosierungsfenster von ±7 Tagen ein. Die Wirksamkeit in den 4- und 8 Wochen Regimen ist sehr gut und die Nebenwirkungen beschränken sich auf Lokalreaktionen an der Einstichstelle. Die Stärke dieser Therapie könnte auch gleichzeitig ein Schwachpunkt sein: die sehr lange Halbwertszeit mit langsam abfallenden Plasmaspiegeln kann die beim Absetzen der Therapie für eine Resistenzbildung sorgen. Dies wird in Zukunft besonders zu beachten sein.

U=U: Undetectable = Untransmittable

Besondere Aufmerksamkeit erfuhr die Präsentation der Partner-2 Studie, die wiederum einmal mehr belegte, dass eine gute antivirale Therapie die beste Infektionsprävention darstellt. Beobachtet wurden insgesamt 972 männliche Paare. Der HIV-infizierte Partner nahm eine antivirale Therapie; die Viruslast musste kleiner als 200Kopien/ml liegen. Ausgewertet wurden 77.000 sexuelle Akte ohne Kondom, 18 HIV-Infektionen wurden während der Beobachtungsphase festgestellt  -  allerdings konnte keine davon phylogenetisch dem Partner zugeordnet werden. Das Ergebnis war hochsignifikant. Schon die  Partner-1 Studie, die serodiskordante heterosexuelle und homosexuelle Paare untersuchte, hatte das gleiche Ergebnis.

TUSY15 Zash, R.  Surveillance for Neural Tube Defects following Antiretroviral Exposure from Conception, the Tsepamo study (Botswana) 

TUAB0106LB  Cahn, P. et al: Non-Inferior Efficacy of Dolutegravir (DTG) Plus Lamivudine (3TC) vs DTG Plus Tenofovir/Emtricitabine (TDF/FTC) Fixed-Dose Combination in Antiretroviral Treatment–Naive Adults With HIV-1 Infection—Week 48 Results From the GEMINI Studies.

TUAB0103 Hocqueloux L et al. Dolutegravir monotherapy vs. dolutegravir/abacavir/lamivudine  for HIV-1-infected virologically suppressed patients: results from the randomized non-inferiority MONCAY trial

THPEB042: Murray, M. Patient satisfaction, tolerability and acceptability of Cabotegravir (CAB) and Rilpivirine (RPV) Long-Acting (LA) therapy in HIV-1 infected adults: LATTE-2 week 96 results

WEAX0104LB Rodger A. et al: Risk of HIV transmission through condomless sex in MSM couples with suppressive ART: The PARTNER2 Study extended results in gay men

 

Die epidemiologische Situation weltweit wird durch UNAIDS erfasst und dokumentiert:

www.unaids.org/sites/default/files/media_asset/unaids-data-2018_en.pdf

 

The End of AIDS:
Far from Over

The tools exist. HIV/AIDS can be treated and contained. But in many communities, social, political and economic obstacles get in the way. There, the epidemic is far from over.

In Russia, the epidemic is growing at a rate of 10 percent per year. It’s one of the few places in the world where the epidemic continues to get dramatically worse.

www.pbs.org/newshour/features/end-of-aids-far-from-over/

 

Auch in Deutschland bleibt viel zu tun, hier eine Publikation der Deutschen Aids Hilfe vom 20. Juli 2018:

„Während die Zahl der Drogentoten in Deutschland seit 2012 erheblich gestiegen ist, hat die Drogenhilfe in deutschen Städten immer weniger Geld zur Verfügung. Das ist die traurige Bilanz zum 20. Gedenktag für verstorbene Drogenabhängige am 21.7.

Dazu erklärt Björn Beck vom Vorstand der Deutschen AIDS-Hilfe:

„Drogenhilfe rettet Leben und unterstützt Menschen dabei, ihre Gesundheit zu schützen. Es ist unerträglich, dass Menschen sterben oder sich mit HIV und Hepatitis infizieren, weil Hilfsangebote nicht genügend Ressourcen haben. Gedenken ernst nehmen, heißt handeln.“
Steigender Bedarf

1.272 Menschen starben im Jahr 2017 an den Folgen des Konsums illegaler Substanzen. 2012 waren es 944. Zwar kam es 2017 erstmals wieder zu einem leichten Rückgang, doch die Zahl der Toten liegt weiterhin auf hohem Niveau. Das Robert-Koch-Institut meldet außerdem einen Anstieg von HIV-Infektionen unter Menschen, die intravenös Drogen konsumieren.
Der Bedarf an Suchthilfe wächst. Rund eine halbe Million Menschen sucht laut Bericht der Deutschen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht jährlich Beratung und Unterstützung in ambulanten Einrichtungen.

Sinkende Ressourcen

Drogenhilfeeinrichtungen müssen dabei in den meisten Städten mit sehr niedrigen Budgets auskommen. Laut Deutscher Suchthilfestatistik sind außerdem die Mittel seit 2003 faktisch zurückgegangen.
Die Zuwendungen für die ambulante Suchthilfe stiegen in dieser Zeit um weniger als 2% und glichen damit die gestiegenen Kosten nicht aus. Die Zuschüsse für die Drogenhilfe stehen in den meisten Städten im Jahresrhythmus immer wieder infrage. Beratungsstellen müssen immer mehr ihrer kostbaren Arbeitszeit aufwänden, um ihre Finanzierung zu sichern.
„Eine Gesellschaft, die die schädlichen Folgen des Drogenkonsums eindämmen möchte, darf sich nicht auf eine prekäre Finanzierung verlassen. Die Einrichtungen arbeiten fachlich auf hohem Niveau, werden mit ihrer wichtigen Aufgabe aber alleine gelassen. Wir brauchen in Deutschland dringend eine Stärkung der kommunalen Suchthilfe“, betont DAH-Vorstand Björn Beck.

Fatale Folgen

Die Folgen der chronischen Unterfinanzierung sind gefährlich: Unzureichende Beratungsangebote, viel zu kurze Öffnungszeiten von Drogenkonsumräumen, Engpässe beim Verteilen von sauberen Spritzen und Zubehör. Etwa die Hälfte der intravenös Konsumierenden hat keinen ausreichenden Zugang, um durchgängig „Safer Use“ betreiben zu können, ergab die DRUCK-Studie des Robert-Koch-Instituts.
Dabei zeigen alle Erfahrungen: Eine gut funktionierende Drogenhilfe schützt die Abhängigen und mindert die schädlichen Folgen des Drogenkonsums für die Gesellschaft, etwa durch sinkende Behandlungskosten für HIV- und Hepatitisbehandlungen im Gesundheitssystem.

Drogenpolitik kann mehr erreichen

„Die deutsche Drogenpolitik kann im Zusammenspiel von Bund, Ländern und Kommunen viel mehr erreichen als bisher“, betont DAH-Vorstand Björn Beck. „Wir brauchen klare Bekenntnisse zu Maßnahmen, die Risiken beim Drogenkonsum minimieren, Drogenkonsumräume in allen Bundesländern und eine solide Finanzierung.“
Nötig ist außerdem die Ausweitung der Substitutionsbehandlung mit pharmazeutisch erzeugten Opiaten (Diamorphin), also der Abgabe über das Medizinsystem, um dem unkontrollierten Konsum von gefährlichen Schwarzmarktdrogen und kriminellen Strukturen das Wasser abzugraben.

Diese Diskussion wird nicht nur in Deutschland geführt:

ASEAN and HIV prevention amongst people who inject drugs:

the need for an effective and sustainable response

fileserver.idpc.net/library/Regional-Paper-ASEAN_2018.pdf

 

Eine positive Meldung: PrEP (HIV - Präexpositionsprophylaxe) soll Kassenleistung werden, hierzu eine Stellungnahme der Deutschen AIDS-Hilfe, der sich die DGS ausdrücklich anschließt:

Die gesetzlichen Krankenkassen sollen die Kosten für die HIV-Prophylaxe PrEP übernehmen. Gesundheitsminister Jens Spahn will für Menschen mit erhöhtem HIV-Risiko einen gesetzlichen Anspruch auf die Medikamente sowie medizinische Begleitung schaffen. Das erklärte er gegenüber dem Deutschen Ärzteblatt.

Die Deutsche AIDS-Hilfe hat sich lange für die Kostenübernahme eingesetzt und begrüßt die Initiative des Ministers. Dazu erklärt Winfried Holz vom Vorstand der Deutschen AIDS-Hilfe:
„Die neue Regelung ist ein Meilenstein für die HIV-Prävention in Deutschland. Die Kassenfinanzierung wird Menschen den Zugang zur HIV-Prophylaxe eröffnen und damit zahlreiche Infektionen verhindern. Sie ist der entscheidende Schritt, um das Potenzial dieser Maßnahme auszuschöpfen.“

Kostenübernahme schafft Zugang

Bisher müssen PrEP-Nutzer_innen die Kosten selber tragen. Die Medikamente schlagen dabei mit 50 bis 70 Euro zu Buche, hinzu kommen ärztliche Beratung und die erforderlichen Begleituntersuchungen. Menschen mit geringem Einkommen sind praktisch ausgeschlossen.
Schätzungsweise 5.000 Menschen lassen sich bisher die PrEP verschreiben – laut einer Studie der Universität Essen überwiegend Besserverdienende.
„Schutz vor HIV darf nie am Geldbeutel scheitern. Es ist dringend an der Zeit, diese Lücke in der HIV-Prävention zu schließen“, betont DAH-Vorstand Winfried Holz.

Aufgrund der Kosten beziehen zurzeit nicht wenige Menschen die Medikamente kostengünstig aus dem Ausland – teils ohne ärztliche Begleitung. Auch wegen der damit verbundenen Risiken will Spahn einen regulären Weg für alle eröffnen.

Immer mehr Länder ermöglichen PrEP

Die PrEP kann die Zahl der HIV-Infektionen in Deutschland nach einer Studie der Universität Rotterdam bis 2030 um rund 9.000 verringern.
Auch Erfahrungen aus Australien, den USA und England zeigen: Wo die PrEP zugänglich ist, gehen die HIV-Infektionen zurück. Dies spart langfristig Kosten für lebenslange HIV-Behandlungen. Immer mehr Länder schaffen Zugang zur PrEP, zuletzt die Niederlande.
„Die PrEP nützt sowohl den Menschen, die sie anwenden, als auch dem Gesundheitssystem“, betont DAH-Vorstand Winfried Holz. „Die neue Regelung ist fachlich geboten und dringend notwendig.“


Medizinische Begleitung ist wichtig

Bei der HIV-Prophylaxe PrEP nehmen HIV-negative Menschen mit besonders hohem HIV-Risiko vorsorglich ein HIV-Medikament mit zwei Wirkstoffen. Es schützt zuverlässig vor einer Ansteckung. Wichtig ist dabei eine fachlich versierte medizinische Begleitung, bei der unter anderem regelmäßige HIV-Tests und Untersuchungen auf Geschlechtskrankheiten durchgeführt werden.

Untersuchungen auf Geschlechtskrankheiten

Darüber hinaus wäre es sinnvoll, für Menschen mit erhöhtem Risiko regelmäßige Untersuchungen auf Geschlechtskrankheiten generell zu übernehmen, auch ohne PrEP und wenn keine Symptome vorliegen.

„So können Infektionen erkannt werden, die sonst unbehandelt und übertragbar bleiben. Das kommt allen zugute“, so Winfried Holz.

www.aerzteblatt.de/nachrichten/96593/HIV-Praeexpositionsprophylaxe-soll-Krankenkassenleistung-werden 

Deutsches Ärzteblatt: HIV-Präexpositions­prophylaxe soll Kranken­kassenleistung werden

Informationen über die PrEP auf aidshilfe.de www.aidshilfe.de/hiv-prep

 

Deutsch-Österreichische Leitlinien zur HIV –Präexpositionsprophylaxe:

daignet.de/site-content/hiv-therapie/leitlinien-1/Leitlinie%20PrEP%20055-008%20Version%201%20vom%2024-05-2018%20konsentiert%2022-06-2018.pdf

Und der Vollständigkeit halber die aktuellen

 

Leitlinien zur Therapie der HIV – Infektion:

daignet.de/site-content/hiv-therapie/leitlinien-1/Deutsch%20Osterreichische%20Leitlinien%20zur%20antiretroviralen%20Therapie%20der%20HIV%201%20Infektion.pdf

 

VOICING COMMUNITY INTERESTS IN THE GLOBAL FUND

A Guideline for the Involvement of People Living with HIV in the Global Fund

To Fight AIDS, Tuberculosis and Malaria’s Country Coordination Mechanism

www.gnpplus.net/assets/PLHIV_Engagement_Online.pdf

 

Hepatitis C

Liebe Kolleginnen und Kollegen, auch auf die Gefahr hin, dass ich sie langweile: Eine HCV Elimination ist möglich und das Ziel der WHO bis 2030. Hierzu ist es absolut unumgänglich, die Zahl der HCV – Behandlungen gerade bei Drogengebrauchern deutlich zu erhöhen. Es gibt praktisch keine Kontraindikationen mehr. Bitte behandeln sie ihre Patienten!

 

Daten zur Epidemiologie das Epidemiologische Bulletin Nr. 29 vom 19. Juli 2018 des Robert Koch-Institut

www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2018/Ausgaben/29_18.pdf;jsessionid=54D8C80A908F6F714723D1B0F6AFF064.1_cid290

 

COMBATING HEPATITIS B AND C TO REACH ELIMINATION BY 2030

apps.who.int/iris/bitstream/handle/10665/206453/WHO_HIV_2016.04_eng.pdf;jsessionid=12DBCD4C530E075A3E5CC51A6D7E225A

 

Island macht es vor:

J Hepatol. 2018 May; 68(5):932-939. doi: 10.1016/j.jhep.2017.12.013. Epub 2017 Dec 21.

Modelling the elimination of hepatitis C as a public health threat in Iceland: A goal attainable by 2020. Scott N1, et al.

www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/29274408

Daten aus der Schweiz:

www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/29698546

 

Gefängnis(sucht)medizin

Schon oft haben wir angemerkt, dass auch in Deutschland die Situation in Gefängnissen unbefriedigend ist, dies soll ein Schwerpunkt der DGS in diesem Jahr werden, eine Tagung ist geplant. Hier die

Public health guidance on prevention and control of blood-borne viruses in prison settings der EMCDDA:

www.emcdda.europa.eu/system/files/publications/9103/Guidance-on-BBV-in-prisons-web.pdf

 

Noch ein Leitfaden der ECDC (European Center for disease prevention and control)  und der EMCDDA zur Gefängnismedizin:

Public health guidance on active case finding of communicable diseases in prison settings.

Prevention and control of communicable diseases in prison settings

ecdc.europa.eu/sites/portal/files/documents/Active-case-finding-communicable-diseases-in-prisons.pdf

 

Naloxon bei Entlassung aus dem Gefängnis, ein bemerkenswertes Projekt – auch mit guidelines:

harmreduction.eu/My_first_48_hours_out_Naloxone-on-Release_Guidelines1.pdf

 

Die Diskussion wird weltweit geführt, hier ein Beispiel aus Kanada:

ADVOCATES WELCOME MAJOR CONCESSIONS IN GOVERNMENT OF CANADA’S PRISON NEEDLE EXCHANGE ANNOUNCEMENT

www.aidslaw.ca/site/advocates-welcome-major-concessions-in-government-of-canadas-prison-needle-exchange-announcement/

 

New psychoactive substances in prison. Results from an EMCDDA trendspotter study June 2018

www.emcdda.europa.eu/system/files/publications/8869/nps-in-prison.pdf

 

Wie schon angemerkt und natürlich allen Lesern selbstverständlich: Suchtmedizin ist mehr als Substitution. Deshalb ist hier Raum für interessante Publikationen zu anderen suchtmedizinischen Themen.

 

Alkohol

Baclofen als Anticravingsubstanz wird derzeit kontrovers diskutiert:

www.alternative-suchtbehandlung.de/fileadmin/user_upload/Aktuelles/BACLAD_Charite_Berlin.pdf

www.arznei-telegramm.de/html/htmlcontainer.php3

www.aerzteblatt.de/nachrichten/57966/Frankreich-Baclofen-zur-Foerderung-der-Alkoholabstinenz-vorlaeufig-zugelassen

 

In Deutschland besteht keine Zulassung für Baclofen in dieser Indikation, eine Verordnung wäre nur als „off label“ Verordnung möglich und nicht zu Lasten der gesetzlichen Krankenkassen. Anfragen zu diesem Komplex kann unser Vorstandsmitglied Ulrich Preuß unseren Mitgliedern gerne beantworten.

PROJEKTBERICHT
Entwicklung von bundesweit aussagekräftigen Kennziffern zu alkoholbelasteten Familien

Projektleitung Dr. Cornelia Lange

Abteilung für Epidemiologie und Gesundheitsmonitoring, Berlin

www.bundesgesundheitsministerium.de/fileadmin/Dateien/5_Publikationen/Drogen_und_Sucht/Berichte/Abschlussbericht_bundesweit_aussagekraeftige_Kennziffern.pdf

 

Mit dieser Problematik befasst sich auch eine britische Parlamentariergruppe:

The All-Party Parliamentary Group on Children of Alcoholics

A MANIFESTO FOR CHANGE nacoa.de/sites/default/files/images/stories/pdfs/children-of-alcoholics-a-manifesto-for-change-pages.pdf

 

Benzodiazepine

The misuse of benzodiazepines among high-risk opioid users

in Europe.

www.emcdda.europa.eu/system/files/publications/2733/Misuse%20of%20benzos_POD2015.pdf

 

Tramadol

review of the global situation

www.incb.org/documents/News/Alerts/Alert7_on_Control_of_Psychotropic_Substances_June_2018.pdf

 

Fentanyl

As fentanyl seeps into drugs, activists urge users to test

www.albertleatribune.com/2018/06/as-fentanyl-seeps-into-drugs-activists-urge-users-to-test/

 

Die andere Seite der Debatte um Schmerzmittel:

Why are so many people denied the painkillers they need?

www.bbc.com/news/world-asia-india-44152429

 

NPS

Ein UNODC- Projekt: UNODC Early Warning Advisory (EWA) on New Psychoactive Substances (NPS)

www.unodc.org/LSS/Home/NPS

 

Hierzu eine weitere Publikation der UNODC:

Understanding the synthetic drug market: the NPS factor

ABSTRACT

Since 2009, new psychoactive substances (NPS) have captured the attention of the international community and transformed the global synthetic drug market. The rapid emergence of new substances is certainly unparalleled. What is more striking is the evolution of a market where psychoactive effects were derived from a limited number of closely related chemical structures and innovation mainly featured the adaptation of synthesis routes, including the use of alternative precursor chemicals, to one where the desired psychoactive effects are obtained from hundreds of different

substances with diverse chemistry. This dramatic transformation has implications for effective monitoring, understanding and control of synthetic drugs and their precursor chemicals.

The increasing chemical diversity of NPS and their unprecedented number further complicates the challenges to monitor and understand this phenomenon. Rationalizing the NPS phenomenon in the context of the psychoactive effects of the traditional drugs under international control, which they mimic, may offer new insights

and opportunities for understanding and reacting to drug market dynamics.

 

Der Volltext ist einsehbar unter:

www.unodc.org/documents/scientific/Global_Smart_Update_2018_Vol.19.pdf

 

Cannabis

WHO’s Review Of Cannabis May Be The Starting Point For Worldwide Reform

volteface.me/features/whos-review-cannabis-may-starting-point-worldwide-reform/

 

European Monitoring Centre for Drugs and Drug Addiction and Canadian Centre on Substance Use and Addiction (2018),

Cannabis and driving: questions and answers for policymaking,

Publications Office of the European Union, Luxembourg

www.emcdda.europa.eu/system/files/publications/8805/20181120_TD0418132ENN_PDFA.pdf

 

Methadon als Krebsmittel?

Jeder von uns erhält wahrscheinlich derzeit öfter Anfragen zu Methadon als onkologisch wirksame Substanz. Die Datenlage ist dünn, deshalb kann der Einsatz soliderweise nicht empfohlen werden. Uns erreicht die nachfolgende Petition, die wir gerne weiterverbreiten:

Forschung - Gezielter Einsatz von Forschungsgeldern für klinische Studien zum Einsatz von D,L-Methadon in der Krebstherapie

epetitionen.bundestag.de/content/petitionen/_2018/_04/_30/Petition_78411.html

 

Verhaltenssüchte

Wölfling. K., SuchtMagazin 2/18

www.suchtmagazin.ch/tl_files/templates/suchtmagazin/user_upload/texte/suchtmagazin_2018-2_leseprobe.pdf

 

WhatsApp, Instagram und Co. – so süchtig macht Social Media, DAK-Studie: Befragung von Kindern und Jugendlichen zwischen 12 und 17 Jahren

www.dak.de/dak/download/dak-studie-social-media-nutzung-1968596.pdf

 

Grunddaten Jugend und Medien 2018
Aktuelle Ergebnisse zur Mediennutzung von Jugendlichen in Deutschland

www.br-online.de/jugend/izi/deutsch/Grundddaten_Jugend_Medien.pdf

 

Bundesarbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz
Jugendschutz-Newsletter Nr. 9 vom 11.07.2018

www.bag-jugendschutz.de/nwsltmpl/51

 

Sex, drugs, and rock & roll chemistry in the brain

www.mcgill.ca/newsroom/channels/news/sex-drugs-and-rock-roll-chemistry-brain-265603

Anhedonia to music and mu-opioids: Evidence from the administration of naltrexone

www.nature.com/articles/srep41952

 

Der “war on drugs”;

Leider immer noch ein weltweites Thema:

The 2018 Support. Don’t Punish Global Day of Action

supportdontpunish.org/day-of-action-2018/

 

If Addiction Is a Disease, Why Is Relapsing a Crime?
The New York Times: May 29, 2018; Editorial

www.nytimes.com/2018/05/29/opinion/addiction-relapse-prosecutions.html

 

Over 100 killed in 'war on drugs' in Bangladesh

timesofindia.indiatimes.com/world/south-asia/over-100-killed-in-war-on-drugs-in-bangladesh/articleshow/64368244.cms

 

Immer noch und leider immer wieder:

Die Philippinen: Philippine Police Promotions an Affront to ‘Drug War’ Victims

www.hrw.org/news/2018/06/07/philippine-police-promotions-affront-drug-war-victims

USA: Ending the War on Drugs
Betsy Pearl and Maritza Perez
, Center for American Progress

Nationwide, communities face an unprecedented rise in substance misuse fatalities. A record 63,600 overdose deaths were recorded in 2016, two-thirds of which involved opioids. To stem the tide of this crisis, some communities are doubling down on the war on drugs, despite clear evidence that increasing arrests and incarceration does not lower drug use. But an increasing number of cities are bucking the trend and adopting models that treat substance misuse as a disease, not a crime. Instead of criminalizing substance use disorders, communities are focusing on saving lives and reducing the harmful effects of drug use.

cdn.americanprogress.org/content/uploads/2018/06/26112055/EndingTheWarOnDurgs-brief.pdf

 

Internationales

‘While each country must decide its own drug policy, I believe there is consensus around the need for a people-centred approach, based on results rather than dogma or prejudice’.

Antonio Guterres, UN Secretary General53

United Nations General Assembly

Seventy - second session Item 109 of the provisional agenda International drug control

International cooperation against the world drug problem

Report of the Secretary-General

fileserver.idpc.net/library/V1705210.pdf

More drugs, more deaths, more damage... U.N. drug report shows global drug trade grows despite draconian enforcement efforts

idpc.net/blog/2018/06/more-drugs-more-deaths-more-damage-u-n-drug-report-shows-global-drug-trade-grows-despite-draconian-enforcement-efforts

 

Das “International Drug Policy Consortium” formuliert vier Schlüsselfragen für die

62.  Session of the Commission on Narcotic Drugs (CND), im März 2019:

ASK 1: Move away from ‘drug-free world’ targets

ASK 2: Meaningfully reflect the impacts of drug policies on the UN goals of promoting health, human rights, development, peace and security

ASK 3: Reflect the realities of drug policies on the ground, both positive and negative – the ‘elephants in the room’

ASK 4: End punitive approaches and put people and communities first

Im Volltext:

fileserver.idpc.net/library/IDPC-asks-2019_ENGLISH.pdf

Über IDPC:

The International Drug Policy Consortium is a global network of non-government organisations that speciali se in issues related to illegal drug production and use. The Consortium aims to promote objective and open debate on the effectiveness, direction and content of drug policies at national and international level, and

supports evidence-based policies that are effective in reducing drug-related harm. It produces briefing papers, disseminates the reports of its member organisations, and offers expert advice to policy makers and officials around the world.

© International Drug Policy Consortium Publication 2018

International Drug Policy Consortium

Fifth Floor, 124-128 City Road London EC1V 2NJ, United Kingdom

Email: contact@idpc.net

Website: www.idpc.net

 

Hier die Dokumentation der 61. sten Sitzung der

Commission on Narcotic Drugs

Report on the sixty-first session (8 December 2017 and 12-6 March 2018)

Economic and Social Council Official Records , 2018, Supplement No. 8

United Nations • New York, 2018

www.unodc.org/documents/commissions/CND/CND_Sessions/CND_61/E2018_28_advance_unedited.pdf

 

Afghanistan

Afghanistan opium survey 2017 Challenges to sustainable development, peace and security.

www.unodc.org/documents/crop-monitoring/Opium-survey-peace-security-web.pdf

 

Counternarcotics: Lessons from the U.S. Experience in Afghanistan

This report examines the U.S. counternarcotics effort in Afghanistan, detailing how the Departments of Defense (DOD) and State, the U.S. Agency for International Development (USAID), and the Drug Enforcement Administration (DEA) tried to deter farmers and traffickers from participating in the cultivation and trade of opium, build Afghan government counterdrug capacity, and develop the country’s licit economy.

www.sigar.mil/pdf/lessonslearned/SIGAR-18-52-LL.pdf

 

Kanada

Management of opioid use disorders: a national clinical practice guideline
Julie Bruneau, et al. on behalf of the CIHR Canadian Research Initiative in Substance Misuse
CMAJ March 05, 2018 190 (9) E247-E257; DOI: doi.org/10.1503/cmaj.170958

www.cmaj.ca/content/190/9/E247

 

Kolumbien

COCA INDUSTRIALIZATION, A PATH TO INNOVATION, DEVELOPMENT, AND PEACE IN COLOMBIA

www.opensocietyfoundations.org/sites/default/files/path-to-innovation-evelopment-and-peace-in-colombia-en-20180521.pdf

 

Schottland

Why are drug- related deaths among women increasing in Scotland?
A scoping of possible explanations

fileserver.idpc.net/library/WomeninScotlandreport.pdf

 

Schweden

Is Sweden's zero-tolerance approach to drugs a failing model?

www.thelocal.se/20180517/is-swedens-zero-tolerance-approach-to-drugs-a-failing-model

 

Spanien

Better to Ask Forgiveness Than Permission:
Spain’s Sub-national Approach to Drug Policy

www.onlinelibraryaddictions.stir.ac.uk/files/2018/06/GDPO-PolicyBrief12-Spains-Sub-national-Approach-to-Drug-Policy-June2018.pdf

 

USA

Women, Prison, and the Drug War

Eine Publikation der Drug Policy Alliance, New York

Abstract:

While men are more likely to be targeted by drug law enforcement, many of the drug war’s victims are women. Largely as a result of draconian drug laws, women are one of the fast growing segments of the U.S. prison population. Most women behind

bars are mothers, many of them sole caregivers. Women, and particularly women of color, are disproportionately affected by drug law enforcement, by social stigma, by laws that punish those unable or unwilling to inform on others, by regulations that bar people with a drug conviction from obtaining public assistance, and by a drug

treatment system designed for men. Incarcerated women also have lower incomes than their male counterparts , making it more difficult for them to be able to afford cash bail, phone calls from prison, and ancillary services (such as babysitters) which they might require to meet all of their probation requirements.

www.drugpolicy.org/sites/default/files/women-and-the-drug-war_0.pdf

 

Weitere lesenswerte Literatur und aktuelles finden sie unter:

www.forum-substitutionspraxis.de

 

Ein Buch Tip: 

Regulating Cannabis
A detailed scenario for a nonprofit Cannabis Market By Tom Decorte

ISBN: 9781480861435

With the legalization of recreational cannabis markets in Uruguay, Canada, and several U.S. states, a breakthrough in conventional cannabis policy is emerging. 

But legalization is not a binary choice between prohibition and some regulated commercial model (like alcohol). A commercial market is just one of many ways to implement legalization—and moving directly from prohibition to commercial legalization leaps from one extreme to the other.  

Tom Decorte, a criminologist and anthropologist at Ghent University (Belgium), who has published numerous articles on substance use, cannabis markets, and local drug monitoring systems, argues that most of us are bypassing other, safer forms of legalization, including the nonprofit model. He explores topics such as: 

Why we need to consider regulation of cannabis markets.

How local authorities and grassroots movements are advocating change.

How to best design and implement approaches to legalization.

 

Fachliteratur

Stockings E, et al.
J Neurol Neurosurg Psychiatry 2018;89:741–753. doi:10.1136/jnnp-2017-317168
Evidence for cannabis and cannabinoids for epilepsy: a systematic review of controlled and observational evidence

fileserver.idpc.net/library/cannabisepilepsystudy.pdf

 

Kongressreport

Slowing the HIV and HCV epidemics among people who inject drugs

fileserver.idpc.net/library/WP1578-Report.pdf 

 

Veranstaltungshinweise

Der 28. dagnä-Workshop findet vom 6. - 8. September 2018 im Radisson Blu Hotel Köln Messe, Messe Kreisel 3, 50679 Köln statt.

www.dagnae.de/wp-content/uploads/2018/06/WS28_Programm_web.pdf

 

7th International Symposium on Hepatitis Care in Substance Users
Cascais, Portugal 19 - 21 September 2018

www.inhsu2018.com

 

Reducing Drug Supply and Demand in the EU:
Developing a Holistic and Coordinated Response Across Member States
Date: Thursday 18th October 2018
Time: 10:00am - 4:30pm
Venue: Thon Hotel Brussels City Centre

www.publicpolicyexchange.co.uk/events/IJ18-PPE1

 

Ein Aufruf zur Mitarbeit der EMCDDA

Public consultation on the Evaluation of the European Monitoring Centre for Drugs and Drug Addiction (EMCDDA)

ec.europa.eu/info/consultations/public-consultation-evaluation-european-monitoring-centre-drugs-and-drug-addiction-emcdda_en

 

Wir wünschen allen Lesern einen angenehmen Sommer, ggf. erholsame Urlaubstage und weisen wie immer daraufhin, das hier zitierte Beiträge anderer Autoren*innen nicht automatisch die Meinung der DGS wiedergeben.

 

Mit freundlichen und kollegialen Grüßen
dgs-info, Redaktion

 

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