dgs-info, Ausgabe 103, Februar 2016

Liebe Leserinnen und Leser,

Auch 2016 werden die alten Herausforderungen im Mittelpunkt unserer Bemühungen  stehen:    

  • Die dringend überfällige Änderung des BtmG (s. auch Beitrag von Hans-Günter Meyer-  Thompson auf der NaSuKo 12/2015)
  • Die Debatte um die Cannabislegalisierung
  • Für und Wider E-Zigarette
  • Die Sicherstellung einer flächendeckenden Versorgung der Substitution
  • Die Implementierung der Alkohol- und Tabakabhängigkeit in die suchtmedizinische Agenda
  • Die Herausforderungen durch die neuen psychoaktiven Substanzen (NPS)

und vieles mehr…

Wie immer weisen wir auf Mitteilungen, Stellungnahmen oder Veröffentlichungen anderer Organisationen hin, machen auf interessante Publikationen im Zusammenhang mit Sucht aufmerksam und verweisen auf aktuelle wissenschaftliche Publikationen. Alle Leser*innen sind herzlich eingeladen, uns interessante links, Artikel oder Publikationen zur Kenntnis zu bringen, um die Interaktivität des newsletters zu fördern. Bitte beachten sie, daß Publikationen anderer Verbände/Organisationen im newsletter veröffentlicht werden, dabei muß der Inhalt jedoch nicht die Meinung der DGS widergeben.

Zunächst aber ein Rückblick auf unseren Kongress im November 2015 sowie eine Zusammenfassung der Mitgliederversammlung im Rahmen des Kongresses. Weiterhin informiert der newsletter über die Vorstandsklausur im Januar 2016, auf der die dringlichsten Aufgaben für 2016 definiert wurden, sowie die Nationale Substitutionskonferenz im Dezember 2015, auf der Hans-Günter Meyer-Thompson den Stand der Dinge zur BtmG – Reform dargestellt hat.

Viel Spaß beim Lesen,
die Redaktion

 

Kongressrückblick

Der 24. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Suchtmedizin in Berlin vom 06. bis 08. November 2015 stieß auf reges Interesse und brachte einen neuen Teilnehmerrekord mit 568 (+ 58 Referenten) Teilnehmern.

Im Eröffnungssymposium „Individualisierte Therapiekonzepte in der Suchtmedizin“ blickte Prof. Poser (Göttingen) auf 50 Jahre Methadon zurück und verdeutlichte die nötigen Anstrengungen und Kämpfe bis zur Etablierung der Substitutionstherapie als Standardbehandlung der Opiatabhängigkeit in Deutschland.  Mit der Zulassung weiterer Medikamente zur Substitution entwickelt sich eine zu begrüßende Diversifizierung der Substitutionsmittel. K. Isernhagen (Köln) gab Hinweise zur Differentialindikation dieser Substanzen.  Mit der zunehmender Dauer der Substitutionsbehandlung rücken evtl. Langzeitnebenwirkungen in den Focus. F. Gotthardt (Basel) stellte eine wichtige Studie zu endokrinologischen und osteologischen Störungen unter Substitution vor.

Im Hauptsymposium am Samstag stand das „Stigma der Abhängigkeitserkrankungen“ im Mittelpunkt.  Die Stigmatisierung  der Alkoholabhängigkeit und die dadurch bedingten negativen Auswirkungen auf die Betroffenen und deren Krankheitsverlauf stelle G. Schomerus (Greifswald) dar, wie Stigmatisierung auch die behandelnden Ärzte treffen kann, zeigte H. Haltmayer (Wien) anhand einer Diffamierungskampagne gegen Substitutionsärzte in Wien – leider immer noch und immer wieder ein relevantes Thema auch in Deutschland. Markus Backmund (München) stellte in diesem Kontext die Aktivitäten und Aufgaben des Vereins Ast e.V. (Antistigma) vor. Es steht zu befürchten, dass diese Thematik uns noch viele weitere Jahre beschäftigen wird. Zur „Entwarnung“ und zum bequemen Zurücklegen besteht leider kein Anlass.

Das schon traditionelle „update Sucht“ am Sonntagvormittag, dass in Kooperation mit unseren Partnergesellschaften Deutsche Gesellschaft für Suchtforschung und Suchttherapie e.V. (DG Sucht) und der Deutschen Gesellschaft für Suchtpsychologie (DGSPS) veranstaltet wurde, behandelte aktuelle Themen wie Metamphetamin (K. Schoett, Mühlhausen), Qualitätsindikatoren (A. Batra, Tübingen), Psychotherapie und Cannabiskonsumstörungen (E. Hoch (Mannheim)  sowie Suchtstörungen und Familie (M. Klein, Köln).

Gut besucht waren auch stets die Arbeitskreise und Seminare, die von psychiatrischer Komorbidität über Sucht im Alter, kontrolliertes Trinken, Trauma und Sucht, Neue psychoaktive Substanzen…. usw. ein breit gefächertes Spektrum der Abhängigkeitserkrankungen und ihrer Komplikationen behandelten.

Das Thema Hepatitis C scheint gerade jetzt mit den neuen Therapiemöglichkeiten von allergrößtem Interesse zu sein, entsprechend gut besucht waren die 3 aufeinander abgestimmten morgendlichen Satellitensymposien zu diesem Themenbereich. Von „state of the art“ über spezielle Aspekte bei Drogengebrauchern bis zu der Thematik der extrahepatischen Manifestationen wie z. B. das HCV assoziierte fatigue Syndrom wurden die wesentlichen Fragen bei der Versorgung HCV – infizierter Drogengebraucher behandelt. Der gute Besuch und die jeweils engagierte Diskussion belegen, dass diese Themen auch weiter hohe Aufmerksamkeit verdienen, zumal weitere Medikamente zur Therapie der Hepatitis C in diesem Jahr zu erwarten sind. Es wird ein wichtiges Anliegen der DGS bleiben, dass die neuen Therapieoptionen auch unseren Patienten zu Gute kommen und die Unterversorgung der Drogengebraucher beendet wird.

Wir können auf einen erfolgreichen Kongress zurückblicken und werden alles daransetzen, Qualität, Vielfalt und Informationsgehalt auch für den Kongress 2016 zu gewährleisten und wo es geht zu verbessern. Wir danken den Sponsoren und Ausstellern für die Unterstützung unseres Kongresses und hoffen auf eine weitere produktive Kooperation.

 

DGS – DEUTSCHE GESELLSCHAFT FÜR SUCHTMEDIZIN

25. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Suchtmedizin
04. - 06.11.2016
„Legal, illegal, nicht egal – Die Regulierungsdebatte“

 

SUCHTTHERAPIE - Organ der Deutschen Gesellschaft für Suchtmedizin e.V. (DGS) und der Deutschen Gesellschaft für Suchtpsychologie e.V. (dgsps).

www.thieme.de/de/suchttherapie/profil-1850.htm

 

17. Interdisziplinärer Kongress für Suchtmedizin

30.06. bis 02.07.2016 in München

- See more at:

www.sv-veranstaltungen.de/site/fachbereiche/17-interdisziplinaerer-kongress-fuer-suchtmedizin/

 

Mitgliederversammlung mit Wahl des neuen Vorstandes am 06.11.2015

Die Mitgliederversammlung im Rahmen des DGS Kongresses war wesentlich geprägt durch die Diskussion um die Bemühungen für die dringend überfällige Änderung der BtmVV, dies wird – neben vielem Anderen – ein wesentlicher Arbeitsschwerpunkt des neu zu wählenden Vorstandes sein.

Der Kassenbericht für das Haushaltsjahr 2014/2015 wurde vorgelegt und angenommen. Nach Entlastung der Schatzmeisterin und des alten Vorstandes wird die Neuwahl durchgeführt. Gabriele Jungbluth-Strube und Hans-Günter Meyer-Thompson stehen für eine erneute Kandidatur nicht zur Verfügung.

Gewählt werden:

Christel Lüdecke Markus Backmund
Konrad Isernhagen Katharina Schoett
Tobias Rüther Ulrich W. Preuß
Tim Neumann Stephan Walcher
Jochen Brack   

Der Vorstand dankt Gabriele Jungbluth-Strube und Hans-Günter Meyer-Thompson für ihre langjährige engagierte Arbeit für die DGS.

Auf Antrag von Klaus Behrendt wird der neu gewählte Vorstand beauftragt, einen Beirat nach §22 der Satzung zu gründen. Dieser soll sich um ein konstruktives Weiterkommen in der Frage der BtMVV bemühen. Die Satzung stelle dem Vorstand ein Instrument zur Verfügung, welches man in dieser Frage sehr gut nutzen könne. Hans-Günter Meyer-Thompson, Christoph von Ascheraden und Klaus Behrendt stünden als Beiratsmitglieder zur Verfügung. Der Antrag von Klaus Behrendt wird einstimmig angenommen.

Auf der Sitzung des neugewählten Vorstandes am Rande des Kongresses wurde Markus Backmund einstimmig als Vorsitzender der DGS wiedergewählt, Christel Lüdicke und Ulrich Preuß sind stellvertretende Vorsitzende. Tobias Rüther wurde Schatzmeister, Stephan  Walcher stellvertretender Schatzmeister.  Konrad Isernhagen wurde Schriftführer, Stellvertreter Tim Neumann. Jochen Brack und Katharina Schött sind Beisitzer.

Die Gründung des Beirates soll auf der Vorstandssitzung im Januar 2016 erfolgen.

 

Klausurtagung des Vorstandes der DGS vom 22. – 24.01.2016 in Leipzig

Die Klausurtagung, die jeweils im Januar stattfindet, hat die Aufgabe, die mittelfristigen Perspektiven und Aufgaben für das Jahr zu definieren, hierzu hat sich diese Arbeitstagung gut bewährt.

BtmVV:

Sowohl die Bundesärztekammer als auch die Bundesdrogenbeauftragte Fr. Mortler senden positive Signale für eine Änderung der BtmVV, das BMG erwartet eine Stellungnahme der BÄK. Somit scheinen die Vorzeichen für eine Gesetzesänderung günstig, es bedarf aber weiteren Engagements der DGS. Der Vorstand begrüßt daher noch einmal den Auftrag der Mitgliederversammlung zur Gründung eines Beirates, um die langjährige Erfahrung und Kompetenz auf diesem Gebiet zu bündeln.

Einstimmiger Beschluss der teilnehmenden Vorstandsmitglieder:

Nach §22 der Satzung wird ein Beirat gegründet. Der Beirat unterstützt den Vorstand bei der Erfüllung seiner Aufgaben in der Angelegenheit der Betäubungsmittel-Verschreibungsverordnung (BTMVV). Mitglieder des Beirates sind: Jochen Brack, Hans-Günter, Meyer-Thompson, Konrad Isernhagen, Christoph von Ascheraden sowie Klaus Behrendt als Vorsitzender und Sprecher des Beirates.

Klaus Behrendt wird gebeten, als Beiratsvorsitzender an Frau Mortler heranzutreten.

Bei einem vermutlich sich anschließendem Gespräch bei Frau Mortler werden Klaus Behrendt als Vorsitzender des Beirates und Markus Backmund als Vorsitzender der DGS sprechen.

Frau Mortler soll auf den kommenden Kongress der DGS eingeladen werden.

 

Stellungnahme und Positionspapier Cannabis

Es liegen mehrere Stellungnahmen der unterschiedlichen Verbände und Gesellschaften vor (s. unten), in denen allerdings bestimmte wichtige Aspekte fehlen bzw. nicht optimal abgebildet sind.

Offen bleiben Aussagen u.a. zu komorbidem Beikonsum bei Substitution, Kriminalisierung (inkl. der

Thematik der Fahreignung), medizinischer Einsatz von Cannabinoiden (Bestandsaufnahme) und Konsum bei Schizophrenie. Um seriöse Aussagen dazu machen zu können, bedarf es einer systematischen Bestandsaufnahme. Die DGS wird in den nächsten Wochen eine eigene Stellungnahme entwerfen. Die wesentlichen vorläufigen Inhalte sollen sein:

  • Prävention ist wichtig, insbesondere für Kinder und Jugendliche. Vorrangig ist hier die Verhinderung eines pathologischen Konsums. Die Tabakprävention ist ein gutes Beispiel, auch ohne Kriminalisierung sinken Inzidenz und Prävalenz.
  • Cannabis ist keine unschädliche Substanz. Je früher der Konsum beginnt, desto gravierender können die Auswirkungen sein. Eine kompetente Aufklärung ist entscheidend.
  • Priorität hat hingegen die Behandlung der Erkrankten, somit die ärztliche Sichtweise
  • Bei einer zukünftig evtl. geregelten Cannabisabgabe müssen Abgaben (keine Steuern) in einen Fond für Forschung und Therapie fließen, eine geregelte Cannabisabgabe darf nicht zu einer zusätzlichen Einnahmequelle des Fiskus degenerieren.
  • Die suchtmedizinische Versorgung ist nicht ausreichend gegeben und nicht geregelt, eine adäquate Behandlung muss implementiert werden.
  • Cannabis kann nicht nur in der Schmerztherapie als Medikament eingesetzt werden.
  • Angestrebt werden muss ein adäquater gesellschaftspolitischer Umgang mit Cannabinoiden.

Zu fordern sind Entkriminalisierung und Regulierung unter Berücksichtigung von Aufklärung, Prävention und Jugendschutz.

 

Stellungnahme E-Zigarette

 Es liegt eine Stellungnahme des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) zur E-Zigarette vor (http://www.dkfz.de/de/tabakkontrolle/download/Publikationen/Stellungnahmen/DKFZ_Stellungnahme_E-Zigarette_2014.pdf), demnach sei der Konsum schädlich. Die DGS verfolgt auch hier Aspekte der suchtmedizinischen Sichtweise. Tabakabhängigkeit ist eine zu behandelnde Erkrankung. Wichtig ist eine Verbesserung der Situation im Sinne von „harm reduction“, dabei kann die E-Zigarette hilfreich sein. Es soll eine Stellungnahme der DGS erstellt werden, die die Sichtweise der Suchtmedizin in den Mittelpunkt stellt. Inhalte sollen sein:

  • Es ist davon auszugehen, dass die verwendeten Liquids nicht ungiftig sind. Bekannt ist aber auch, dass Tabak deutlich giftiger ist und ein höheres Suchtpotential aufzeigt.
  • 20 Zigaretten am Tag sind deutlich gefährlicher als 20 E-Zigaretten am Tag, diesbezüglich ist die Datenlage ist ganz eindeutig.
  • Substitution oder harm-reduktion? Ziel ist in erster Linie eine Reduktion des Tabakkonsums, das Erreichen einer vollständigen Abstinenz kann ein weiterer Schritt sein.
  • Ein erster Erfahrungsbericht aus einer laufenden Beobachtungsstudie in München zeigt, dass Tabakabstinenz auch bei weiter bestehendem Nikotinkonsum zu deutlichen klinischen Verbesserungen führt.
  • Aufzeigen von verschiedenen Unklarheiten (z.B. Sind E-Zigaretten in Nikotinentwöhnungstherapien erlaubt?)

 (weitere Stellungnahmen zur E-Zigarette s. u.)

 

EBM

Ein neuer EBM mit kompletter Überarbeitung des Alten ist in Arbeit, voraussichtliches Inkrafttreten soll Mitte 2017 sein. In Gesprächen mit der KBV sollen die Anliegen der DGS erneut vorgebracht werden:

  • Vergütung bei Take-Home-Verordnung
  • Abbildung der Interventionen bei Alkohol- und Tabakabhängigkeit im EBM u. a. bei
    • Diagnostik (z. B. Audit screening score)
    • ärztlich medikamentös gestützte Rückfallprophylaxe bei Alkoholabhängigkeit
    • Diagnostik tools wie Atemalkoholtest, CDT und EtG

 

Leitlinien - Arbeitskreis Methamphetamin, Kooperation BMG

Es fehlt an guten Therapiemöglichkeiten, momentan werden die PatientInnen langfristig in stationären Rehabilitationseinrichtungen ohne Anschlussangebote untergebracht. Benötigt werden unterschiedliche Therapieangebote für unterschiedliche Settings (z. B. ggf. Substitution für einige Patientengruppen, kurzfristige ambulante Angebote mit z.B. motivierende Gesprächsführung, etc.). Außerdem fehlt es an einer ausreichenden Datenlage zur Situation in Deutschland, hier sind BMBF und BMG gemeinsam anzusprechen.

Die DGS ist mit Katharina Schött an Konsensgesprächen des Arbeitskreises Methamphetamin beteiligt.

 

Der Beitrag von Hans-Günter Meyer-Thompson auf der 4. Nationalen Substitutionskonferenz Berlin 2015 – NaSuKo:
Die Substitutionsbehandlung – Stand und Verbesserungsbedarf

Am 9.Dezember 2015 in Berlin, GLS Campus

Die Reform des Substitutionsrechts – Der Stand der Dinge

Die BtMVV-Änderungsinitiative der Deutschen Gesellschaft für Suchtmedizin (DGS) geht jetzt in das vierte Jahr. Wie kam es zu der Kette von Verzögerungen und droht die Reform gar zu versanden? Dabei ist die Misere der Substitutionsbehandlung mittlerweile allgemein bekannt:

Das Bundesgesundheitsministerium (BMG) nennt das Substitutionsrecht „wenig einladend“ und weiß, „wo den Ärzten der Schuh drückt“. Das „Gestrüpp“ Substitutionsrecht (Der Strafverteidiger) behinderte von Anfang an die Behandlung von Opiatabhängigen, da am ersten Entwurf vor über 20 Jahren eingeschworene Gegner der Substitution mitgearbeitet haben. Die Regelung ärztlicher Tätigkeiten geriet damals auch deshalb in die BtMVV, weil es noch keine verbindlichen Behandlungsrichtlinien gab. So ist auch nach mehreren Änderungen der Paragraph 5 der BtMVV in Kernbereichen ein „Substitutionsbehinderungsrecht“; mit der Konsequenz, dass Ärzte ständig mit einem Bein im Gefängnis stehen und Patienten unwürdige Bedingungen zugemutet werden. Die Folge: In mehr und mehr Regionen finden Opiatabhängige keinen Zugang zur Substitution oder nur unter extrem schwierigen Bedingungen.

Die Zeit ist überreif für eine grundlegende Reform, dem kann niemand widersprechen, der sich mit der Materie beschäftigt hat.

Der Reformprozess seit 2012

2012 veröffentlicht die DGS detaillierte Änderungsvorschläge, Deutsche AIDSHilfe (DAH) und akzept e.V. schließen sich umgehend an.

Januar 2013: Bei einem Fachgespräch im Bundesgesundheitsministerium (BMG) mit Vertretern aller relevanten Verbände, mit Bundesärztekammer (BÄK) und Kassenärztlicher Bundesvereinigung (KBV), Apothekerverbänden u.a. finden die DGS-Vorschläge überwiegend Zustimmung. Mehrheitlich wird ein Reformbedarf festgestellt. Auf Anregung des BMG übernimmt Bayern anschließend die Aufgabe, über die Gesundheitsministerkonferenz GMK) der Länder einen Prüfauftrag an das BMG zu richten, das Substitutionsrecht zu entrümpeln und Alternativen vorzulegen. Die Vorschläge der DGS finden darin wohlwollende Zustimmung.

Mit diesem Auftrag der 86.GMKKonferenz erarbeitet das BMG erste Eckpunkte, die im Sommer 2014 intern vorliegen. Zwischenzeitlich hat die Drogenbeauftragte sich für die Reform ausgesprochen, aus bayerischen Ministerien melden sich reformfreudige Stimmen, ebenso von Gesundheits- und Sozialpolitikern aller Bundestagsparteien in Bund und Ländern, die Vorsitzenden der KV-Qualitätskommissionen schließen sich an und Beschlüsse mehrerer Deutscher Ärztetage dringen bereits seit den 2000er Jahren auf eine Änderung des Substitutionsrechts.

Bis zum Mai 2015 gerät der Prozess dann ins Stocken: Das zuständige Referat im BMG hat nicht vorhersehbar zwei weitere Gesetze zu erarbeiten (Cannabis als Medizin und die rechtliche Bewertung neuer psychoaktiver Substanzen). Außerdem verlässt der für die BtMVV-Reform federführende Ministeriale das Referat, woraufhin die Substitutionsreform vorübergehend auf Eis liegt.

Auf Eis liegt der Vorgang seit 2014 auch, weil das BMG auf die Erklärung der Bundesärztekammer warten muss, sich am Reformprozess zu beteiligen, damit es im BMG weitergehen kann: Dies geschieht im Mai 2015 mit einem Beschluss des 118.Deutschen Ärztetages:

„Die novellierten Regelungen müssen den allgemein anerkannten Stand der medizinischen Wissenschaft abbilden. Dies betrifft insbesondere die Festlegung der Ziele einer Substitutionsbehandlung (§ 5 Abs.1 BtMVV), der Grenzen eines tolerablen Beikonsums (§ 5 Abs. 2 Nr.4c BtMVV) und der erforderlichen Begleitmaßnahmen (§ 5 Abs. 2 Nr.2 BtMVV).

Ausschließlich medizinischtherapeutische Aspekte der Substitution sind über die Richtlinien der Bundesärztekammer zur Durchführung der substitutionsgestützten Behandlung Opiatabhängiger zu regeln. (...)

Hingegen sind solche Aspekte der Substitution, die die Sicherheit des Betäubungsmittelverkehrs und somit den Bevölkerungs- und Patientenschutz betreffen, durch die BtMVV zu regeln.“

Ende November 2015 findet endlich das Treffen zwischen BMG und BÄK statt, auf dem die BÄK-Vertreter signalisieren, sich an der Reform zu beteiligen und zu diesem Zweck berufsrechtliche Fragen zu klären und die Substitutionsrichtlinien zu aktualisieren. Nun muss noch der BÄK-Vorstand zustimmen. Ungeduldig wird unterdessen auch die GMK: Baden-Württemberg wird in der nächsten GMK-Konferenz einen Antrag einbringen, in dem die Bundesregierung aufgefordert wird, die Vorgaben für die Substitutionsbehandlung in der BtMVV endlich zu vereinfachen. Der Weg ist frei für das BMG, in einem zweiten Fachgespräch seine Vorschläge vorzustellen und anschließend eine Novelle des Substitutionsrechts zu formulieren. Da neben der BtMVV und dem BtMG auch die Substitutionsrichtlinien geändert werden müssen und noch weitere Verordnungen und Gesetze, wird sich der Reformprozess noch mindestens zwei Jahre hinziehen.

Was haben GMK und BMG aus dem Änderungskatalog gemacht?

Was wissen wir nun bereits über die Vorstellungen des BMG?

Das Ministerium wie die Gesundheitsministerkonferenz haben praktisch jeden einzelnen Änderungsvorschlag der DGS aufgegriffen und auf Plausibilität und rechtliche Alternativen geprüft. Mein Eindruck ist: Die haben sich richtig Mühe gegeben – und die Vorschläge nicht von vornherein abgelehnt. Im Gegenteil: GMK und das zuständige Referat des BMG haben sich der Überlegung angeschlossen, dass das Recht der Wissenschaft und der medizinischen Praxis folgen soll, zumindest diese nicht behindern soll, und dass die ärztliche Tätigkeit selbst in den Substitutionsricht- und Leitlinien zu regeln ist, Behandlungsfehler entsprechend nicht mit dem Strafrecht zu verfolgen sondern in erster Linie nach dem Berufsrecht zu ahnden sind. Kurz: Die BtMVV soll den Betäubungsmittelverkehr regeln, die ärztliche Tätigkeit hingegen ist Sache von Richt- und Leitlinien.

Die Eckpunkte des BMG

Das Abstinenzgebot soll zukünftig gleichwertig als Behandlungsziel neben Überlebenshilfe, Risikominderung bei Schwangerschaften, Behandlung von Begleitkrankheiten und Reduktion des Gebrauchs anderer psychoaktiver Substanzen stehen. So sehen es die Vorschläge der GMK vor. Ein paar Eckpunkte aus dem Ministeriumspapier sickerten unterdessen durch, sind aber nicht bestätigt:

  • Demnach wird das Pflegepersonal in Alten- und Pflegeheimen Substitutionsmittel verabreichen dürfen. Erlaubt wird die Vergabe von Substitutionsmitteln künftig zudem in stationären Reha- Einrichtungen und Gesundheitsämtern.
  • In Zukunft könnte die Verschreibung in besonderen Fällen für einen Bedarf von bis zu 30 Tagen erlaubt sein.
  • Bei Urlaub im Inland können wie bei Auslandsreisen Mitgaben für bis zu 30 Tagen erlaubt werden.
  • Die sogenannten Z-Rezepte können ausgeweitet werden auf mehr als zwei Tage Bedarf.
  • Der Umgang mit Rezepten (Aushändigung an Patienten, Postversand an die Apotheke) kann erleichtert werden.
  • Dem Begriff „Opiatabhängigkeit“ soll die „Opioidabhängigkeit“ beigeordnet werden, um auch Abhängigen, die bspw. über Tilidin, Tramal oder Fentanyl abhängig wurden, die Substitution zu ermöglichen.
  • Die Dokumentation der Abgabe in Apotheken durch die verschreibenden Ärztebedarf einer Neuregelung.
  • Die Psycho-Soziale Behandlung muss nicht mehr zwingend vorgeschrieben sein; es liegt im Ermessen des behandelnden Arztes, ob er sie für erforderlich hält. Und für die sichere Versorgung von Patienten außerhalb der Städte und Ballungsgebiete müssten „flexible Optionen“ gefunden werden, heißt es aus dem BMG. Das klingt nicht so schlecht. Es bleibt abzuwarten, aus welcher Ecke sich Widerspruch meldet.

Wie geht es weiter – wo gibt es Streit?

Die DGS hat auf Überzeugung und Konsens gesetzt, wir haben Vorschläge gemacht statt Forderungen zu erheben, weil wir wissen, dass Substitutionspatienten und ihre Ärzte keine Lobby haben und auch keine Machtmittel, um Forderungen durchsetzen zu können. Das bisherige Ergebnis der Initiative stimmt verhalten optimistisch. Weniger Zuversicht ist angesagt hinsichtlich der Mitgabe von Substitutionsmitteln aus Praxen und Ambulanzen.

Die DGS und jüngst auch der DSÄ – Dachverband Substituierender Ärzte haben zwar nachgewiesen, dass die Apothekenversorgung von Substitutionspatienten außerhalb der Großstädte und Ballungsräume nicht funktioniert, aber am Dispensierrecht soll nach Ansicht der Apothekerverbände kein Abstrich gemacht werden, nicht einmal in Notfallsituationen. Darüber wird also noch gestritten werden. Vom Bundesgesundheitsministerium und von der Bundesärztekammer ist zu erwarten, dass nun keine weiteren Verzögerungen eintreten und die nächsten Schritte rasch erfolgen.

Zu hoffen ist, dass auch die Gerichte sich die Lesart eines reformierten Substitutionsrechts zu eigen machen, damit nicht weiterhin Berufsverbote und Haftstrafen für Substitutionsärzte ausgesprochen werden und mit jeder geschlossenen Praxis das Leben von Dutzenden Substitutionspatienten gefährdet wird. Rainer Ullmann wird im nachfolgenden Vortrag zeigen, wie der Bundesgerichtshof das eh fragwürdige Substitutionsrecht mit seinen Entscheidungen noch einmal verschärft hat. Wir erwarten deshalb von den Justizministerien, dass sie bis zum Inkrafttreten eines reformierten Substitutionsrechts den Staatsanwaltschaften empfehlen, Verfahren gegen Substitutionsärzte nicht mehr auf Teufel komm raus voranzutreiben. Bayern hat gezeigt, wie man das machen kann.

Hans-Günter Meyer-Thompson, Mitglied im Beirat „Substitutionsrecht“ am Vorstand der DGS, Hamburg (erweiterte Fassung, 21.12.2015)

 

Die Cannabisdebatte

Legalisierung/Regulierung/Freigabe….. Diese Debatte kann derzeit in den meisten Medien verfolgt werden, wir dokumentieren hier einige uns interessant erscheinende Literaturstellen ohne die Inhalte bewerten oder kommentieren zu wollen.

 

Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN):
Zur Legalisierungsdebatte des nicht-medizinischen Cannabiskonsums

Zurzeit werden vermehrt Forderungen nach einer Legalisierung von Cannabis laut. Einige Juristen, verschiedene Politiker und Parteien sowie Verbände fordern ein Umdenken in der Drogenpolitik. Die Debatte um die Legalisierung wird lebhaft geführt und von den Medien breit aufgenommen. Die DGPPN nimmt aus medizinisch - wissenschaftlicher Sicht Stellung zu den wichtigsten Fragen:

Kann Cannabiskonsum psychische Erkrankungen auslösen?

Welche Folgen hätte eine Legalisierung für das medizinische Versorgungssystem? Wo besteht Forschungsbedarf?

www.dgppn.de/fileadmin/user_upload/_medien/download/pdf/stellungnahmen/2015/2015-12-7_DGPPN_Positionspapier_Cannabis__FINAL.pdf

 

Stellungnahme zur Legalisierungsdebatte des nicht-medizinischen Cannabiskonsums
Deutsche Gesellschaft für Suchtforschung und Suchttherapie (DG-Sucht) e.V.

Autoren: Hans-Jürgen Rumpf, Eva Hoch, Rainer Thomasius, Ursula Havemann-Reinecke

(beschlossen vom Vorstand der DG-Sucht am 09.07.2015)

Die DG-Sucht spricht sich gegen eine vorschnelle Entscheidung zur Legalisierung von Cannabis zum Freizeitgebrauch aus. Überlegungen zu einer Legalisierung sollten aus der Sicht der DG-Sucht von größter Sorgfalt begleitet werden.

www.dg-sucht.de/fileadmin/user_upload/pdf/stellungnahmen/Stellungnahme_Legalisierungsdebatte_Cannabis_DG-Sucht.pdf

 

Drogen in Frankfurt
Schüler rauchen mehr Cannabis

Die Zahl der Jugendlichen, die in Frankfurt Cannabis konsumieren, ist auf einem neuen Höchststand. Der Konsum von Alkohol ist nach einer Studie dagegen zurückgegangen. Das Drogenreferat will mehr Beratungsangebote schaffen.

www.fr-online.de/frankfurt/drogen-in-frankfurt-schueler-rauchen-mehr-cannabis,1472798,32467920.html

 

Zur Debatte um die E-Zigarette

 

Positionspapier der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin e.V. (DGP) zur elektronischen Zigarette (E-Zigarette)

D. Nowak, H. Gohlke, T. Hering, F.J.F.Herth, B. Jany, T. Raupach, T. Welte, R. Loddenkempe

Zusammenfassend lautet die 5-Punkte-Positionierung der DGP und aller beteiligten Gesellschaften und Institutionen nach dem derzeitigen Stand wissenschaftlicher Erkenntnisse wie folgt:

  1. Die freie und völlig unregulierte Verkäuflichkeit von Verdampfungsprodukten einschließlich Nikotin in E-Zigaretten ist aus medizinisch-wissenschaftlicher Sicht nicht akzeptabel.
  2. Die großen Erfolge, Tabak- und Nikotinkonsum als etwas Unnormales, unter medizinischen Gesichtspunkten Behandlungsbedürftiges zu sehen, werden durch die rasch fortschreitende Verbreitung von E-Zigaretten konterkariert. Es besteht die Gefahr, dass über eine zunehmende Akzeptanz von E-Zigaretten in der Gesellschaft auch das konventionelle Zigarettenrauchen wieder stärker toleriert werden könnte [8,9], mit deletären gesundheitlichen Auswirkungen.
  3. Auch wenn die Inhalation von E-Zigaretten-Dampf nach heutigem toxikologischen Wissensstand harmloser als die Inhalation konventionellen Zigarettenrauchs ist, sind Langzeiteffekte viel zu wenig bekannt, um hier aus medizinisch-wissenschaftlicher Sicht Entwarnung geben zu dürfen. Aktuelle Studien legen den Verdacht nahe, dass Nikotin auch kanzerogen wirksam sein kann.
  4. Auch wenn zahlreiche Fallberichte, eine Querschnittsstudie [5] und bislang zwei randomisierte kontrollierte Studien nahelegen, dass E-Zigaretten eine Raucherentwöhnung unterstützen können, ist die Evidenz einer solchen Aussage gering. Sie ist damit nicht im Entferntesten so valide wie für qualitätsgesicherte multimodale Entwöhnungsprogramme, die von der DGP nachdrücklich empfohlen werden. Entwöhnungswillige Raucher sind daher stets auf diese Programme hinzuweisen.
  5. Durch Jugend-affine Geschmacksrichtungen [20] und auf diese Gruppe gerichtete Werbung wird eine Zielgruppe zu einem vermeintlich harmlosen Konsum stimuliert, wobei hiermit der Einstieg in das konventionelle Tabakrauchen möglicherweise gebahnt wird [12,13,19]. Hierin sehen die DGP und alle an diesem Positionspapier beteiligten wissenschaftlichen Gesellschaften und Institutionen eine große Gefahr

www.bvkj.de/fileadmin/pdf/Positionspapier_zur_E-Zigarette.pdf

 

Gesellschaft für Pädiatrische Pneumologie warnt vor E-Zigaretten
Die E-Zigarette: Eine neue Gefahr für unsere Kinder?

Jürg Barben, Ostschweizer Kinderspital, St. Gallen, Schweiz

E-Zigaretten und E-Shishas können gemäß aktuellem Wissensstand nicht als unbedenklich bewertet werden [48]. Wegen großer technischer Mängel, ungenügender Produktsicherheit sowie der Einführung in in die Nikotinabhängigkeit bzw. einer möglichen Nikotinvergiftung stellen sie eine erhebliche Gefährdung für unsere Kinder und Jugendlichen da. Aus diesem Grunde sollten E-Zigaretten und E-Shishas für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren nicht zugänglich sein.

www.paediatrische-pneumologie.eu/cms/fileadmin/Zeitschriften/1EURGPP-Zeitschrift_2015_low.pdf

 

Mitteilungen anderer Verbände und/ oder Organe

 Deutsche AIDS-Hilfe zu UNAIDS-Bericht / Historische Chance / Deutscher Beitrag muss steigen / Versorgungslücken auch hierzulande

UNAIDS hat heute seinen Bericht zum Welt-Aids-Tag 2015 veröffentlicht. Darin berichtet die HIV/Aids-Organisation der Vereinten Nationen von großen Fortschritten beim Engagement gegen die Epidemie. 

Dazu erklärt Sylvia Urban vom Vorstand der Deutschen AIDS-Hilfe:
"Die Fortschritte seit der Jahrtausendwende sind eine beeindruckende Erfolgsgeschichte. Wir haben alle Mittel, um Infektionen zu verhindern und die Gesundheit von Menschen mit HIV zu erhalten. Jetzt geht es darum, alle Menschen daran teilhaben zu lassen - weltweit und auch in Deutschland."

HIV-Medikamente für alle

Die Zahl der HIV-Positiven, die Therapien erhalten, hat sich laut UNAIDS zuletzt alle fünf Jahre verdoppelt. Diese Entwicklung gilt es fortzusetzen. Denn noch werden die lebensrettenden Therapien mehr als der Hälfte der Infizierten - rund 21 Millionen Menschen - vorenthalten. Dabei schützen die Medikamente nicht nur die Gesundheit HIV-Positiver  und ermöglichen ein langes und weitgehend normales Leben, sondern sie verhindern auch die Übertragung des Virus.

Deutschland kann mehr geben!

"Die internationale Gemeinschaft hat heute die historische Chance, diese Epidemie in den Griff zu bekommen", sagt Sylvia Urban. "Jeder Euro für dieses Ziel ist gut angelegt. Deutschland muss seinen Beitrag zum Globalen Fonds gegen Aids, Tuberkulose und Malaria erhöhen: 200 Millionen Euro jährlich sind - gemessen an der Wirtschaftsleistung - zu wenig!"

UNAIDS berichtet, auf Basis immer besserer Daten und Analysen könnten immer mehr Länder passgenaue Präventionsangebote für bisher vernachlässigte, besonders stark von HIV betroffene Gruppen bereitstellen - mit großem Erfolg. 

Versorgungslücken auch in Deutschland

"Diesen Weg gilt es mit aller Entschiedenheit fortzusetzen", sagt Sylvia Urban. "Prävention und medizinische Versorgung in Deutschland sind international vorbildlich. Aber auch in Deutschland gibt es noch vernachlässigte Gruppen. Auch in Deutschland sind noch Leben und Gesundheit von Menschen in Gefahr, weil sie nicht die nötige Unterstützung bekommen."

Welche Maßnahmen helfen würden, ist längst klar, wird aber politisch noch nicht umgesetzt: 

Drogenkonsumräume für Heroinkonsumenten gibt es nur in sechs von 10 Bundesländern, obwohl sie nachweislich Leben retten und HIV- sowie Hepatitis-Infektionen verhindern

Menschen in Haft erhalten noch immer keine sterilen Spritzen - das wirkungsvollste Instrument der HIV-Prävention im Drogenbereich. In Bayern ist meist auch keine Substitutionstherapie verfügbar, die den intravenösen Konsum ersetzen kann - in Freiheit die Standardtherapie. Haft führt damit zu vermeidbaren HIV- und Hepatitisinfektionen.

Nicht zuletzt: Menschen ohne legalen Aufenthaltsstatus droht die Abschiebung, wenn sie medizinische Versorgung suchen. Das kann tödliche Folgen haben. "Wir brauchen ein verlässliches Versorgungsmodell für Menschen ohne Papiere!", betont Sylvia Urban.

Meldung zum UNAIDS-Bericht auf aidshilfe.de (mit UNAIDS-Material zum Download)

www.aidshilfe.de/de/aktuelles/meldungen/unaids-veroeffentlicht-globale-zahlen-zu-hiv-und-aids

"Weniger Drogentote sind möglich!" - Pressemitteilung zu Drogenkonsumräumen

www.aidshilfe.de/de/aktuelles/meldungen/deutsche-aids-hilfe-weniger-drogentote-sind-moeglich

Gesundheit in Haft: "Es hakt immer dann, wenn's teuer wird" auf magazin.hiv

magazin.hiv/2014/04/08/gesundheit-in-haft-es-hakt-immer-dann-wenns-teuer-wird/

Zur Situation von Menschen ohne Papiere:"Rascher Zugang zum Gesundheitssystem verringert Kosten" auf magazin.hiv

magazin.hiv/2015/09/07/rascher-zugang-zum-gesundheitssystem-fuer-irregulaere-zuwanderer-verringert-kosten/

"Hoffen auf den anonymen Krankenschein" auf magazin.hiv

magazin.hiv/2014/09/23/hoffen-auf-den-anonymen-krankenschein/


www.aidshilfe.de
www.aidshilfe.de

 

Deutsche AIDS-Hilfe: Verschärfung des Prostitutionsgesetzes wird schaden statt schützen

Zur Einigung der Großen Koalition bei der Reform des Prostitutionsgesetzes erklärt Manuel Izdebski vom Vorstand der Deutschen AIDS-Hilfe (DAH):
„Nach zähen Verhandlungen präsentieren Union und SPD die traurigen Reste einer schlechten Idee. Gut gemeint, schlecht gemacht: Die geplanten Maßnahmen werden nicht zum Schutz der Prostituierten beitragen, sondern Prävention und Gesundheitsvorsorge schaden. Wir brauchen kein Schaufenstergesetz wie dieses, sondern die volle rechtliche Anerkennung von Sexarbeit als Beruf und wirksame Unterstützung im Arbeitsalltag.“

aidshilfe.de/de/aktuelles/meldungen/deutsche-aids-hilfe-verschaerfung-des-prostitutionsgesetzes-wird-schaden-statt-s

 

Diagnostik in der Erstuntersuchung von Asylsuchenden

Nationaler AIDS-Beirat beim Bundesministerium für Gesundheit
Berlin / Bonn,
13. Oktober 2015 Votum 47: HIV

Der NAB stellt fest, dass im Rahmen der Erstuntersuchungen bei Asylsuchenden auch routinemäßig HIV-Testungen durchgeführt werden. Dieses Verfahren entspricht nicht den anerkannten Standards zur Durchführung eines HIV-Tests. Die Durchführung eines HIV -Tests erforde

  • die Gewährleistung von Vertraulichkeit und einen geschützten Rahmen,
  • eine individuelle Beratung und ärztliche Anamnese, ggf. unter Hinzuziehung von DolmetscherInnen bzw. SprachmittlerInnen,
  • eine informierte und freiwillige Zustimmung,
  • die persönliche Mitteilung des Untersuchungsbefundes,
  • die Sicherstellung des zeitnahen Zugangs zu weiterer Diagnostik und dauerhafter Behandlung.

Im Kontext der Untersuchung bei Unterbringung in Erstaufnahmeeinrichtungen, Gemeinschaftseinrichtungen oder Notunterkünften ist weder von einer informierten Zustimmung noch von einer ausreichenden Vertraulichkeit auszugehen.

Der NAB lehnt routinemäßige HIV-Tests für Asylsuchende ausdrücklich ab.

Der Nationale AIDS-Beirat ist ein unabhängiges Beratungsgremium des Bundesministeriums für Gesundheit. Er ist interdisziplinär mit Expertinnen und Experten aus den Bereichen Forschung, medizinische Versorgung, öffentlicher Gesundheitsdienst, Ethik, Recht, Sozialwissenschaften, sowie Personen aus der Zivilgesellschaft zusammengesetzt. Weitere Hinweise zum Nationalen AIDS Beirat:

www.bmg.bund.de/fileadmin/dateien/Downloads/N/Nationaler_AIDS-Beirat/Votum_47_HIV-Diagnostik_in_der_Erstuntersuchung_von_Asylsuchenden.pdf

 

RKI-Empfehlungen zur Behandlung von Flüchtlingen

Welche Impfungen sind in Syrien empfohlen? Wie sieht der Impfkalender in Afghanistan aus?
Laut RKI gilt bei der Behandlung von Flüchtlingen, dass „ausnahmsweise münd­liche Angaben zu früher erfolgten Impfungen berücksichtigt werden, sofern sie als glaubwürdig eingeschätzt werden.“ Bei der Einschätzung dieser Glaub­würdigkeit hilft die Kenntnis der jeweiligen lokalen Impfpläne.

Eine Übersicht aller Impfkalender weltweit bietet die WHO
Dort ist wie folgt zu verfahren:

  1. Wählen Sie eine WHO Region aus.
  2. Wählen Sie das gesuchte Land aus.
  3. Wird „Select all vaccines“ angeklickt, so erscheint eine Liste mit allen im betreffenden Land empfohlenen Impfungen, sowie Angaben zu deren Impfschema und Personengruppe.

 

Münchner Erklärung der Mitgliedsorganisationen der Deutschen AIDS-Hilfe:
Stigmatisierung ist ansteckend – ANST abschaffen!

Nach einem Beschluss der Innenministerkonferenz aus dem Juni 2015 darf die Polizei in ihrem bundesweiten Informationssystem INPOL weiterhin Menschen mit dem „personengebundenen Hinweis“ (PHW) ANST für „ansteckend“ kennzeichnen. Der Warnhinweis kann bei Menschen mit HIV sowie Hepatitis B und C angewendet werden. Es soll dazu dienen, Polizeibeamte im Dienst vor einer Ansteckung zu schützen.
Wie viele Menschen von dieser Kennzeichnung betroffen sind, ist nur teilweise nachvollziehbar. Wie kürzlich bekannt wurde, dürfte das Land Bayern dabei mit rund 14.000 INPOL-Eintragungen (Stand: August 2015) einsame Spitze sein.
Die Mitgliedsorganisationen der Deutschen AIDS-Hilfe haben sich darum bei ihrer Mitgliederversammlung am 24./25. Oktober 2015 in der bayerischen Landeshauptstadt München entschieden, gerade hier gegen die Verwendung des personengebundenen Hinweises entschieden Stellung zu beziehen. Denn ANST widerspricht Grundrechten und schadet, statt zu nützen. Die Innenministerien der Länder halten jedoch gegen alle Vernunft und fachliche Expertise an der Kennzeichnung fest.

ANST ist stigmatisierend und kontraproduktiv

Die Kennzeichnung mit ANST verletzt das Grundrecht auf informationelle Selbstbestimmung. Das Kürzel stigmatisiert Menschen mit den genannten Krankheiten und trägt damit auch zur Ausgrenzung von Menschen mit HIV oder Hepatitis allgemein bei. Da Diskriminierung Menschen von HIV-Test und damit auch von einer Therapie abhalten kann, schadet es deren Gesundheit und auch der HIV-Prävention.

Für die Speicherung des Kürzels ANST genügt dabei der Verdacht, eine Straftat begangen zu haben. Der kann auch dann fortbestehen, wenn  ein Verfahren eingestellt wurde oder wenn ein Freispruch erfolgt ist.

Den Zweck, Polizeibeamte vor einer Ansteckung zu schützen, erfüllt ANST zugleich aus vielfältigen Gründen nicht. Der Verwendung des Warnhinweises liegt der grundlegende Irrtum zugrunde, dass Menschen mit den genannten Diagnosen die Erkrankungen prinzipiell übertragen können und dass eine Kennzeichnung dazu beitragen kann, Infektionen zu verhindern.

Richtig ist hingegen:

  1. Die meisten Menschen mit HIV können das Virus nicht weitergeben, da sie mit entsprechenden Medikamenten behandelt werden.
  2. Hepatitis B und C werden häufig vollständig geheilt.
  3. Die Übertragung von HIV oder Hepatitis im Rahmen polizeilicher Tätigkeit ist generell sehr unwahrscheinlich. Der Deutschen AIDS-Hilfe sind keine Fälle bekannt, auch das Bayerische Innenministerium konnte im August auf Anfrage von zwei Abgeordneten keine Fälle benennen.
  4. Steht kein Hinweis in der Datenbank, kann man nicht davon ausgehen, dass kein Übertragungsrisiko besteht.
  5. Da ANST nicht beinhaltet, welche Krankheit vorliegt, ist die Aussagekraft zusätzlich verringert – sie ist fast gleich Null.

Scheinsicherheit statt Risikoprüfung

Die Kennzeichnung von Menschen mit HIV und Hepatitis in Polizeidatenbanken unterstellt also ein hohes Risiko, wo eine Übertragung sehr unwahrscheinlich ist, und schürt damit unnötige Ängste. Zugleich erzeugt sie eine Scheinsicherheit, wenn der Hinweis nicht im Computer steht.

Nötige Schutzmaßnahmen sollten nicht davon abhängig gemacht werden, ob eine Infektion bereits bekannt ist, sondern immer ergriffen werden. Bei Verletzungen von Polizeibeamten beziehungsweise Kontakt mit Blut muss im Einzelfall geprüft werden, ob ein Risiko bestanden haben könnte, um gegebenenfalls zum Beispiel eine so genannte Post-Expositionsprophylaxe gegen HIV (PEP, „Nach-Risiko-Vorsorge“) durchzuführen.

Unterm Strich erhöht der Warnhinweis ANST also die Gefahr für Polizeibeamte, statt sie zu verringern.

ANST abschaffen!

Die Mitgliederversammlung der Deutschen AIDS-Hilfe fordert die Innenministerien der Länder auf, die kontraproduktive und stigmatisierende Praxis der Kennzeichnung von Menschen mit dem Kürzel ANST unverzüglich zu beenden und alle entsprechenden Daten sofort zu löschen.

Um Polizeibeamte zu schützen bedarf es stattdessen einer wissenschaftlich fundierten Aufklärung von Verantwortlichen und Beamten zu realen Übertragungsrisiken von HIV und Hepatitis sowie Schutzmöglichkeiten. Die Aidshilfen in Deutschland stehen den Ministerien dabei gerne mit Rat und Tat zur Seite.

 

B.A.O.N.P.S. Projekt startet

Fixpunkt e. V. in Berlin kündigt den Projektstart des Projekts B.A.O.N.P.S. - Be Aware On Night Pleasure Safety an.

Im ersten Newsletter werden das Projekt sowie die beteiligten Akteure vorgestellt.

Nähere Informationen (Projekt-Newsletter Nr. 1) sind hier zu finden:

www.fixpunkt-berlin.de/fileadmin/user_upload/PDF/BANOPS/NEWSLETTER_1_BAONPS-1.pdf

 

Memorandum Internetabhängigkeit

Autoren: Hans‐Jürgen Rumpf, Nicolas Arnaud, Anil Batra, Anja Bischof, Gallus Bischof, Matthias Brand, Andreas Gohlke, Michael Kaess, Falk Kiefer, Tagrid Leménager, Karl Mann, Thomas Mößle, Astrid Müller, Kai Müller, Florian Rehbein, Rainer Thomasius, Lutz Wartberg, Bert te Wild, Klaus Wölfling, Friedrich Wurst

Die extensive Nutzung von Computerspielen oder Internetanwendungen kann zu einem Verhalten führen, dass in vielen Aspekten an Sucht oder Abhängigkeit denken lässt. Tatsächlich suchen Menschen mit ausgeprägten suchtartigen Symptomen auch von sich aus therapeutische Hilfe auf. Weiterhin legt eine Fülle unterschiedlicher Studien nahe, dass ein relevanter Anteil der Bevölkerung eine Störung im Sinne einer Internetabhängigkeit aufweist. Ein einheitlicher und allgemein anerkannter Begriff für diese auf digitale Spiele und Internetanwendungen bezogenen Störungen existiert nicht, so dass hier zunächst die oft genutzte Bezeichnung „Internetabhängigkeit“ genutzt wird.

Trotz der zunehmenden Forschungsaktivitäten in diesem Bereich bestehen noch zahlreiche Wissensdefizite. Eine „Taskforce Verhaltenssüchte“ der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) hat unter der Federführung von Prof. Mann als Grundstock das Fachwissen für u.a. Internetabhängigkeit zusammengetragen. Dieses Memorandum gibt noch einmal einen knappen Überblick zum aktualisierten Wissensstand und leitet darüber hinaus Ziele hinsichtlich a) der Versorgung und Behandlung der Störung, b) der Aufgaben zukünftiger Forschung und c) der Aufgaben der Politik ab. Auf Zitierung von Einzelquellen haben wir an dieser Stelle verzichtet, am Ende des Memorandums finden sich Hinweise zu ausgewählten Arbeiten.

www.dg-sucht.de/fileadmin/user_upload/pdf/aktuelles/Memorandum_Internetabh%C3%A4ngigkeit_der_DG_Sucht.pdf

 

Pressemitteilung der Fachverbandes Medienabhängigkeit e.V. zur Mediensuchtkonferenz und dem 1. Onlinesymposium

„Um ein gesundes Aufwachsen und Leben mit technischen Innovationen sicherzustellen, ist es notwendig effektive präventive Maßnahmen anzubieten… Die schnelle technische Veränderung resultiert aktuell in gesellschaftlichen Problemen. Um bereits Betroffenen zu helfen, den Weg in eine nahegelegene Beratungsstelle/ Hilfeeinrichtung zu finden, bietet der Fachverband Medienabhängigkeit e.V. sämtlichen Einrichtungen an, sich kostenlos als Hilfeeinrichtung für Medienabhängigkeit registrieren zu lassen. Bei der Diagnostik unterstützen wir gerne mit der, uns freundlicherweise von der Ambulanz für Spielsucht Klinik und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie der Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, zur Verfügung gestellten Skala zum Onlinesuchtverhalten (OSV-S) und leiten Ihre entsprechenden Fragen gerne weiter.“

www.fv-medienabhaengigkeit.de

 

BAS- SUCHTFORSCHUNGSTELEGRAMM
Heft 32, 31.10.2015
Bayerische Akademie für Sucht- und Gesundheitsfragen

Inhalt:

  1. Auswirkung von Nichtraucherschutzgesetzen auf Säuglingssterblichkeit
  2. Prävalenz und Prädiktoren von Alkoholkonsum während der Schwangerschaft
  3. Sozioökonomischer Status und Suchtverhalten bei Methamphetaminkonsumenten und ihr Einfluss auf die Mundgesundheit
  4. Wirkung von Cortisol auf Craving bei Heroinabhängigen
  5. Verlängerung der Opioidabstinenz und Entkopplung von Stress und Craving durch Clonidin

www.bas-muenchen.de/fileadmin/documents/pdf/Publikationen/Suchtforschungstelegramm/BAS_UG_32_Suchtforschungstelegramm_151031_Endversion.pdf

 

Positionspapier von Trägern und MitarbeiterInnen der deutschen Drogenhilfe zur Drogenpolitik

MitarbeiterInnen der deutschen Drogenhilfe fordern eine ideologiefreie gesellschaftliche Debatte zur Legalisierung, die über die Entkriminalisierung von CannabiskonsumentInnen hinausgeht. Verlangt wird eine evidenzbasierte Überprüfung der Auswirkungen der repressiven Drogenpolitik und des BtmG, mit dem Ziel die strafrechtliche Verfolgung im Kontext des Drogenkonsums abzuschaffen.

www.palette-hamburg.de/index.php/palette-ev-aktuelles/228-positionspapier-der-ag-drogenpolitik-hamburg-zur-aktuellen-drogenpolitik

 

Das „astra-Programm“ ist „Projekt des Monats“ der Drogenbeauftragten der Bundesregierung!

Das astra-Programm unterstützt PflegeschülerInnen dabei, rauchfrei zu bleiben oder es wieder zu werden und ist im Januar 2016 das „Projekt des Monats“ der Drogenbeauftragten der Bundesregierung.

www.drogenbeauftragte.de/drogenbeauftragte/projekt-des-monats.html
Homepage des astra-Programms: www.astra-programm.de

 

Der Deutsche Suchtkongress,

findet vom 05.09. – 07.09.2016 in der Technischen Universität (TU) Berlin statt. Er hat sich in den vergangenen acht Jahren als der zentrale Ort des interdisziplinären wissenschaftlichen Austauschs und und der intensiven und inspirierenden Kommunikation innerhalb unseres Fachgebiets etabliert. Wir freuen uns, Ihnen in diesem Jahr darüber hinaus ein besonderes weiteres „Highlight“ anbieten zu können: erstmals wird der Deutsche Suchtkongress 2016 räumlich und inhaltlich abgestimmt mit dem „World Congress on Alcohol and Alcoholism“ (http://www.isbra-esbra-2016.org) organisiert, zu dem ca. 800 renommierte Alkoholforscher der ganzen Welt vom 02. – 05.09.16 in der TU erwartet werden und der ab dem 05.09. direkt in den Deutschen Suchtkongress übergeht.

„Wir laden Sie, auch im Namen der weiteren kooperierenden Fachgesellschaften herzlich ein, sich aktiv am Deutschen Suchtkongress 2016 zu beteiligen und Ihr Symposium, Ihr Poster oder Ihren freien Vortrag zu folgenden Themenschwerpunkten einzureichen:

  • Ätiologie und Risikofaktoren von Suchterkrankungen
  • Suchtprävention und Suchtpolitik
  • Versorgungsforschung und Versorgungspraxis
  • Interventionelle Suchtforschung
  • Besondere Patientengruppen in der Suchttherapie“

Informationen zum Deutschen Suchtkongress 2016, zur Beitragseinreichung, zum Tagungsort und Anreise finden Sie auf der Kongresswebseite

Deadlines

15.04.2016 Online-Beitragseinreichung für Symposien, Freie Beiträge und Poster
30.06.2016 Registrierung zur Frühbuchergebühr

www.deutschersuchtkongress.de

 

Deutsche Schmerzgesellschaft e.V. jetzt durch Patientenorganisation verstärkt!

Patientenorganisation „SchmerzLOS e.V.“ ist Mitglied geworden, Service‐Angebote ausgebaut.

Berlin, 12.Februar2016: „Wir sind froh über diese verstärkte Zusammenarbeit“, so Heike Norda, Vorsitzende von SchmerzLOS e.V. und Prof. Dr. med. Michael Schäfer, Präsident der Deutschen Schmerzgesellschaft e.V., der mit fast 3.500 Einzelmitgliedern und 18 institutionellen Mitgliedern größten Schmerz- Fachgesellschaft Deutschlands.

Online--Übersicht über die regionalen Selbsthilfegruppen und Ansprechpartner

Von SchmerzLOS e.V.

www.dgss.org/patienteninformationen--__start/selbsthilfegruppen--__schmerzlos--__e--__v/

 

Der link zum newsletter des
Dachverbandes  substituierender  Ärzte Deutschlands e. V.:

www.dsae.de/wp-content/uploads/2015/12/newsletter-end-DSA%CC%88-Dez-15.pdf

 

Dies Thema wird uns in Zukunft häufiger beschäftigen:
Aus dem Seniorenheim zur Methadonvergabe

Dank Substitution leben Opiatsüchtige länger, altern aber auch früher. Viele Heime sind mit ihrer Pflege überfordert. Von Anja Katzmarzik
www.ksta.de/kalk/sote-aus-dem-seniorenheim-zur-Methadonvergabe,15187508,32934104.html

 

Internationale Publikationen

Eine spannende und lesenswerte Übersicht der EMCDDA:

Comorbidity of substance use and mental disorders in Europe
The presence of comorbid mental disorders in those with substance use disorders has progressively become a matter of great concern. The relevance of psychiatric  comorbidity in substance users is related to its high prevalence (about 50 %), its clinical and social severity, its difficult management, and its association with poor outcomes for the subjects affected. Individuals with both a substance use disorder and another psychiatric disorder show more clinical and psychosocial severity, as well as illicit behaviours, than subjects with substance use disorders without psychiatric comorbidity.

www.emcdda.europa.eu/system/files/publications/1988/TDXD15019ENN.pdf

 

Leading Liver Doctors: Hepatitis C Patients Must Be Treated

Eine Stellungnahme der American Association for the Study of Liver Diseases (AASLD), veröffentlicht während des Leberkongresses (The Liver Meeting®) vor ca. 10000 der führenden Leberspezialisten weltweit:

SAN FRANCISCO, Nov. 16, 2015 /PRNewswire/ -- The American Association for the Study of Liver Diseases (AASLD) issued the following statement during The Liver Meeting® being held this weekend in San Francisco and attracting about 10,000 of the leading liver specialists in the world:

Over the past two-plus years, the Food and Drug Administration has approved multiple new treatments for hepatitis C virus (HCV) that offer nearly universal cure rates with minimal side effects. It is a remarkable success story for medical science. Unfortunately, many insurers – both private and public – are delaying access to new HCV treatments to patients until their disease has progressed and the liver is further damaged. There is no medical evidence to justify that position and much to justify treating all patients.

AASLD endorses treating patients with HCV as the standard of care. In the regularly revised HCV Practice Guidance of AASLD and Infectious Diseases Society of America we recommend early treatment of chronic HCV infection before the development of severe liver disease and other complications to improve overall survival rates. Studies demonstrate that new treatments cure more than 99 percent of patients followed for five years.

HCV treatment that leads to a cure is the only evidence-based intervention to prevent liver disease progression. A significant proportion of people living with HCV who have no or mild fibrosis (commonly described as F0-F2) will progress to cirrhosis in the absence of treatment. Currently, there is no way to predict who will develop advanced liver disease. 

Inaction is harmful to patients. Untreated HCV has been linked to many causes of death, such as liver cancer and kidney problems. Delaying treatment for patients until they develop advanced liver disease leads to higher costs and higher demand for liver transplants. Patients who are unable to obtain curative treatment are at high risk for anxiety, illness uncertainty (the inability to determine the meaning of illness-related events), and depression, regardless of fibrosis stage. Patients who are cured of HCV report a significant improvement in their mental well-being.

Failure to treat leads to other medical problems. Among them are HCV-associated heart disease, lymphatic cancers, particularly non–Hodgkin Lymphoma, kidney damage in many patients and evidence of immune related disease when tested for rheumatoid factors. Studies show that HCV infection increases the risk of insulin resistance and diabetes by almost four times. Diabetes increases the risk of liver cancer in people living with HCV.

Access to curative therapies is the most effective way to eliminate the virus at a population level. The Department of Health and Human Services has cited an "emerging epidemic of HCV infection among young persons who inject drugs." Providing treatment to injection drug users is crucial to reducing the HCV burden within networks and preventing new transmissions. In addition, curing HCV is the best way to guarantee that women of childbearing potential do not transmit the virus to their developing fetus if they become pregnant.

AASLD is the leading medical organization for advancing the science and practice of hepatology. Founded by physicians in 1950, AASLD's vision is to prevent and cure liver diseases. This year's Liver Meeting®, held in San Francisco, CA, November 14-17, will bring together more than 9,000 researchers from 55 countries.

SOURCE American Association for the Study of Liver Diseases (AASLD)

www.prnewswire.com/news-releases/leading-liver-doctors-hepatitis-c-patients-must-be-treated-300179479.html

 

Prohibition Is the Real "Gateway Drug"

Drug warriors claim that marijuana is a "gateway drug." On the contrary, it is the policy of drug prohibition--not the drug per se--that creates a gateway into a criminal underworld of crime and contaminated products

www.huffingtonpost.com/inge-fryklund/prohibition-is-the-real-g_b_8210802.html

 

Werden Kinder und Jugendliche durch die aktuelle Drogenpolitik wirklich geschützt?

Ein Zwischenruf von Damon Barrett Director, International Centre on Human Rights and Drug Policy. PhD candidate, Stockholm University.:

Why Current Drug Policies Are Failing The Children and Young People We Seek to Protect

We all agree that we have to protect children and young people from the harmful effects of drug use and from exploitation by the drugs trade. This is so self-evident it hardly needs saying, but it is nonetheless reiterated time and again as if, without more, it is justification for staying the course.

medium.com/@DruglawPhd/why-current-drug-policies-are-failing-the-children-and-young-people-we-seek-to-protect-f252b08cffa2

 

Ein Plädoyer seitens der Ökonomie: Nur eine Legalisierung von Drogen wird ihren Missbrauch eindämmen

Es mag sich paradox anhören, aber es ist so: Wer Drogenmissbrauch bekämpfen will, sollte den Drogenkonsum legalisieren, meint der Ökonom Justus Haucap. Immer mehr Staaten erkennen dies und legalisieren daher zumindest den Konsum und Handel von Cannabis.

merton-magazin.de/nur-eine-legalisierung-von-drogen-wird-ihren-missbrauch-eind%C3%A4mmen

 

Colorado Celebrates Legalization Anniversary: Massive Drop in Arrests and Millions in Tax Revenue

Der Bundesstaat Colorado zieht eine positive Bilanz seiner zweijährigen Erfahrung mit der Legalisierung von Cannabis: Dramatisch sinkende Inhaftierungszahlen sowie deutlich gestiegene Steuereinnahmen, die in Präventions-und Bildungsprojekte  investiert werden.

www.drugpolicy.org/blog/colorado-celebrates-legalization-anniversary-massive-drop-arrests-and-millions-tax-revenue

 

Der “war on drugs” und Rassismus:
How the Drug War Accelerated the AIDS Epidemic in Black Communities

By Robert E. Fullilove December 4, 2015

“We've had effective medications for HIV disease since 1996. But the fact is that, as a nation, we still report between 40-50,000 new cases of HIV infection each year, and blacks are disproportionately affected. To end this devastation, we need more than treatment and more than a cure. We need to start to address mass incarceration.”

www.vice.com/read/the-drug-war-is-driving-the-aids-epidemic-in-black-communities-456

 

Ein Blick auf den “war on drugs“ aus der Perspektive der Opiumbauern:
Statement of 3rd Myanmar Opium Farmer Forum

On 11 and 12 September 2015 opium farmers and representatives of opium farming communities from Kayah State, Shan State, Kachin State and Chin State, came together in Upper Myanmar to discuss the drug policies affecting their lives. Following from the discussions the farmers issued a statement with recommendations to policy makers nationally and internationally.

www.tni.org/en/article/statement-of-3rd-myanmar-opium-farmer-forum

 

Und noch ein anderer Blickwinkel:

Fumigation in Colombia
For 37 years Colombia has been spraying chemicals to combat illicit crops, particularly coca. These massive eradication programmes became part of the US-backed 'War on Drugs'. The fumigations are controversial for their proven inefficacy to reduce supply and demand for the use of herbicides such as glyphosate.

www.tni.org/en/publication/timeline-fumigation-in-colombia
colombiafumigations.tni.org

ANPUD fordert eine humane Drogenpolitik in Asien
ANPUD ( Asian Network of People who Use Drugs) fordert eine humane Drogenpolitik in asiatischen Ländern, in denen DrogengebraucherInnen weiter kriminalisiert, inhaftiert und gefoltert werden. Harm reduction Programme und adäquate Gesundheitsversorgung für Drogengebraucher werden gefordert. Siehe auch: UNGASS (United Nations General Assembly Special Session www.ungass2016.org)

www.anpud.org

 

Interessante wissenschaftliche Publikationen

www.facebook.com/sharer/sharer.php

 

Cannabis improves symptoms of ADHD

Peter Strohbeck-Kuehner, Gisela Skopp, Rainer Mattern

Institute of Legal- and Traffic Medicine, Heidelberg University Medical Centre, Voss Str. 2, D-69115 Heidelberg, Germany

Abstract

Attention-deficit/hyperactivity disorder (ADHD) is characterized by attention deficits and an altered activation level. The purpose of this case investigation was to highlight that people with ADHD can benefit in some cases from the consumption of THC. A 28-year old male, who showed improper behaviour and appeared to be very maladjusted and inattentive while sober, appeared to be completely inconspicuous while having a very high blood plasma level of delta-9-tetrahydrocannabinol (THC). Performance tests, which were conducted with the test batteries ART2020 and TAP provided sufficient and partly over-averaged results in driving related performance.
Thus, it has to be considered, that in the case of ADHD, THC can have atypical effects and can even lead to an enhanced driving related performance.

Keywords: ADHD, cannabis, performance, driving

Cannabinoids 2008;3(1):1-3

 

Das kannte ich noch nicht:
Das Cannabinoid Hyperemesis Syndrom:

medicalforum.ch/aktuelle-ausgabe/artikel/linderung-durch-warmduschen-bei-akutem-abdomen.html

 

Heroin on trial: systematic review and meta-analysis of randomised trials of diamorphine-prescribing as treatment for refractory heroin addiction

John Strang,* Teodora Groshkova,* Ambros Uchtenhagen, Wim van den Brink, Christian Haasen, Martin T. Schechter, Nick Lintzeris, James Bell, Alessandro Pirona, Eugenia Oviedo-Joekes, Roland Simon and Nicola Metrebian
The British Journal of Psychiatry (2015) 207, 5–14. doi: 10.1192/bjp.bp.114.149195

bjp.rcpsych.org/content/207/1/5.full.pdf+html

 

Abnormal resting-state functional connectivity of the nucleus accumbens in multi-year abstinent heroin addicts

Feng Zou1, Xinhuai Wu2, Tianye Zhai1, Yu Lei1, Yongcong Shao1, Xiao Jin1, Shuwen Tan1, Bing Wu2, Lubin Wang1,* andZheng Yang1,*

Journal of Neuroscience Research Volume 93, Issue 11, pages 1693–1702, November 2015

onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/jnr.23608/abstract

 

Weltweit steigen bei den bedeutenden Infektionserkrankungen einzig bei Hepatitis die Mortalitätsraten weiter an. (#INHSU2015 Präsentation A. Hill):

Drogen und chronische Infektionskrankheiten in Köln
DRUCK-Studie
Infektions- und Verhaltenssurvey bezogen auf HIV, Hepatitis B und C bei injizierenden Drogengebraucher/innen

www.rki.de/druck-studie

Longitudinal Study of Exposure to Entertainment Media and Alcohol Use Among German Adolescents

Reiner Hanewinkel, James D. Sargent Pediatrics March 2009, VOLUME 123 / ISSUE 3
“Movie exposure and having a television in the bedroom are both independent predictors of onset of problematic alcohol use among German teenagers. Media restrictions could play a role in prevention.”

pediatrics.aappublications.org/content/123/3/989

HCV Therapie:

SCHWERE LEBERSCHÄDEN UNTER FIXKOMBINATION AUS OMBITASVIR, PARITAPREVIR UND RITONAVIR (VIEKIRAX) PLUS GGF. DASABUVIR (EXVIERA)

www.fda.gov/downloads/Drugs/DrugSafety/UCM468755.pdf

Hepatitis C und Niere

Weit über Veränderungen der Hepatitis C an der Leber hinaus, führen extrahepatische Manifestationen zu Organdysfunktionen, die für sich eigenständig eine Indikation zur antiviralen Therapie der Hepatitis C darstellen.

Ein wichtiger Beitrag von Dr. med. Ansgar Rieke und Pharmazeutin Leonie Meemken

http:://www.inxfo.de  NEWSLETTER SEPTEMBER 2015

 

Hepatitis C virus infection as a risk factor for Parkinson disease: A nationwide cohort study

Hsin-Hsi Tsai, MD, Horng-Huei Liou, MD, Chih-Hsin Muo, MSc, Cha-Ze Lee, MD, Ruoh-Fang Yen, MD, PhD and Chia-Hung Kao, MD

In einer großen Kohortenstudie in Taiwan (fast 50000 Patienten mit HCV) wurde ein deutlich erhöhtes Risiko für die Entwicklung einer Parkinson Krankheit bei Patienten mit Hepatitis gefunden.

www.neurology.org/content/early/2015/12/23/WNL.0000000000002307

 

Nachfolgende Weiterbildungstermine wurden uns mitgeteilt, die wir gerne veröffentlichen

Weiterbildung Suchttherapeut/in verhaltenstherapeutisch:

Weiterbildungsgruppe 68/69 VT: Start ab Februar 2016, Berlin-Mitte
Weiterbildungsgruppe 70/VT: Start ab Frühjahr 2016, München
Weiterbildungsgruppe 71/VT: Start ab September 2016, Rummelsberg

Weiterbildung Suchttherapeut/in psychoanalytisch:

Weiterbildungsgruppe 52/SÜD: Start ab März 2016, Raum Stuttgart, Bernhäuser Forst
Weiterbildungsgruppe 28/BLN: Start ab September 2016, Berlin 

Informationen und Anmeldung:  GVS Fort- und Weiterbildung
Kerstin Thorith, Tel. +49 30 83001 503, E-Mail: thorith@sucht.org
Corinna Mäder-Linke, Tel. +49 30 83001 506, E-Mail: maeder-linke@sucht.org

 

Stellenangebot Vision e.V. Köln:

Für April/Mai 2016 suchen wir eine neue Fachbereichsleitung/Fachkraft für den Bereich Ambulant Betreutes Wohnen

www.vision-ev.de/verein/stellenangebote/

 

Aus der Industrie

Fa. Abbvie:

informiert in einem “Rote Hand Brief“, dass Viekirax® mit oder ohne Exviera® für Patienten mit Leberzirrhose Child-Pugh B nicht empfohlen wird und bei Patienten mit Child-Pugh C kontraindiziert ist.

 

Fa. Mundipharma teilt mit, dass die Höchstmenge für Morphin in der 30. Betäubungsmitteländerungsverordnung mit Inkrafttreten zum 20.11.15 auf 24.000 mg erhöht wurde

„c) Nummer 15 wird wie folgt gefasst:

„15. Morphin 24 000 mg,“.“

Fa. Gilead:

Europäische Kommission erteilt Zulassung für Gileads Single Tablet Regime Genvoya® (Elvitegravir, Cobicistat, Emtricitabin und Tenofoviralafenamid) zur Behandlung der HIV-1-Infektion

Das erste TAF-basierte STR von Gilead ist hoch wirksam bei verbesserten Parametern für Niere und Knochen im Vergleich zu TDF-basierten Therapieregimen

Fa. Gilead:

EMA prüft Gileads Antrag auf eine Typ-II-Zulassungsänderung für Truvada® zur Reduzierung des Risikos einer sexuell übertragenen HIV-Infektion.

Mit Genehmigung des Änderungsantrags wäre Truvada das erste antiretrovirale Medikament in Europa, das in Kombination mit Safer Sex-Praktiken zur Reduktion des Risikos einer HIV-Infektion bei Erwachsenen indiziert ist.

Fa. Gilead:

Neue Kampagne fragt nach Therapiestandards und startet Website für Menschen mit HIV

Moderne Medikamente ermöglichen Menschen mit HIV-Infektion ein weitestgehend gesundes Leben mit einer Lebenserwartung, die fast an die der Allgemeinbevölkerung heranreicht.1  Damit verändern sich auch die Fragen, mit denen sich Infizierte und Behandler beschäftigen. Unter dem Motto „HIV heute: Gesundheit jenseits der Nachweisgrenze“ stellt  Gilead Informationen für  HIV-Positive  auf der Website www.nochvielvor.de zur Verfügung.

Opiatantagonist Naloxon als Nasenspray von der FDA zugelassen
Heroin antidote Narcan as a nasal spray gets clearance from US regulators

FDA approval for new version of product, based on the drug naloxone, which Irish maker says is cheaper and easier to use than injections.

Narcan is one brand of the anti-opiate drug naloxone. A nasal spray version has received FDA approval. Photograph: Matthew Rakola/Adapt Pharma

www.theguardian.com/society/2015/nov/19/heroin-antidote-narcan-as-a-nasal-spray-gets-clearance-from-us-regulators

 

Mit freundlichen und kollegialen Grüßen

dgs-info, Redaktion

 

Impressum

dgs-info wird herausgegeben vom Vorstand der DGS – Deutsche Gesellschaft für Suchtmedizin und erscheint alle zwei Monate. Der Bezug ist kostenlos.

Verantwortlicher Redakteur: Konrad Isernhagen (Köln).

Leserbriefe richten Sie bitte an: dgs-info@dgsuchtmedizin.de